MM, 02.05.05

 

Die Welt aus der Teetasse erklärt
Wissenschaftshistoriker stellt in kurzweiligem Vortrag Albert Einstein vor


Gräfelfing (pm) - Ein Jahrhundert ist vergangen, seit der deutsch-jüdische Physiker Albert Einstein seine ersten bahnbrechenden Entdeckungen veröffentlichte - der Beginn einer wissenschaftlichen Karriere, in deren Verlauf er die gesamte bekannte Welt auf den Kopf stellen sollte. Anlässlich des Einstein-Jahres 2005 konnte die Literarische Gesellschaft Gräfelfing den renommierten Professor für Wissenschaftsgeschichte Ernst Peter Fischer für einen Vortrag im Bürgerhaus gewinnen. Fischer hat sich in seinen Forschungen neben der Physik auch intensiv mit dem Menschen Einstein auseinander gesetzt und seine Ergebnisse in zahlreichen Büchern publiziert.
 

Wer bei einem Vortrag über Einstein eine rein wissenschaftliche Analyse über das Werk des großen Physikers erwartet hatte, erlebte eine freudige Überraschung. Mit viel Witz gelang es Fischer, in einem äußerst unterhaltsamen Vortrag dem Publikum das Leben Einsteins näher zu bringen.

Die Lehren Einsteins sind alles andere als leichte Kost. Laut Fischer hatten und haben nicht nur Laien, sondern auch Physiklehrer und sogar Kollegen Einsteins, große Probleme, die revolutionären Theorien nachzuvollziehen. Seine neuartigen Denkweisen zeichneten Einstein bereits in der Kindheit aus: Schon den Sechsjährigen beschäftigten scheinbar unlösbare Phänomene in der Natur, die ihn zu Fantasie-Reisen in die Welt der Physik anregten. Die verbreitete Meinung, Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen, entlarvte Fischer als einen Irrtum: "Diese Legende ist wunderbar für Eltern, deren Kinder schlecht in der Schule sind", sagte Fischer. Wahr sei sie aber nicht: "Einstein war immer der beste Schüler."

Kindliche Herangehensweise

Die Frage, warum der gebürtige Ulmer auch heute noch weltweit so beliebt ist, hat Fischer oft beschäftigt: "Es gibt Physiker, die genauso brillant waren wie Einstein. Was wir an ihm lieben, ist, dass er mehr über Gott und die Welt gesagt hat als über Physik." Dabei mache ihn seine scheinbare Naivität im Umgang mit physikalischen Fragen so sympathisch. Diese kindliche Herangehensweise aber ermöglichte ihm, Alltagsphänomene zu hinterfragen, zu erklären und in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Fischer: "Er war ein Genie, das in wunderbar einfacher Sprache bei der Teetasse anfängt und dir daraus die ganze Welt erklärt."

Fischer vermutet aber auch Absicht hinter Einsteins Auftreten: "Er war ein Marketing-Genie, er hat gezielt um Sympathien geworben." Mit großem Erfolg: "Einstein ist der einzige Gott der Physik. Dass wir ihn so lieben, liegt daran, dass er kein strafender Gott ist. Er ist ein Gott, der immer lächelt", erklärte Fischer
mm
 

02.05.2005
   
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