



RÜCKSCHAU
Wir, die Literarische Gesellschaft Gräfelfing sind gemeinnützig und ein im Würmtal verankerter, autorenoffener Kulturverein privaten Rechts. Unsere Aufgabe, erstklassige Vortragsabende zu veranstalten, blieb seit 1921 stets gleich. Über die Zeit hinweg änderten sich die Themen, viele Umstände, die Mitglieder und auch die Protagonisten, wie unser Rückblick auf die vier Epochen unseres Bestehens zeigt.
2011: Wir werden 90 Jahre alt.


Joachim Gauck trug im Dezember 2011 im Bürgerhaus Gräfelfing vor. September 2011 feierten wir unseren 90. Geburtstag mit Wolfgang Frühwald als Festredner. Wir verzeichneten um die 400 Mitglieder.
Viele hochrangige Gäste aus dem Literaturbetrieb kamen zu uns: Martin Walser, Monika Maron und Hermann Lenz.
Klaus Stadler folgte 2009 auf Wolfgang Pollner im Vorsitz. Max Gschneidinger schaltete unsere Website. 1996 feierten wir unseren 75. Geburtstag, siehe Festschrift. 1980 gründeten Pollner und Sinda Dimroth den Kunstkreis Gräfelfing als Arbeitskreis. Er wurde 1995 ein eigener Verein und besteht bis heute fort.

Davor leiteten Frank Höfer (1948-58), Werner Lehmann (1958-1973) und Wolfgang Pollner (1973-2009) mit herausragenden Lesungen - die Gesellschaft. Ihre Titel lesen sich wie eine Zeitreise. Überliefert sind Stefan Heym (1984), Ilse Aichinger (12/1963), die Japanerin Hisako Matsubara und unser Musikkreis, mit einem Konzert jährlich - bis in das Jahr 1964 hinein.
1947: Zur alliierten Lizenzierung.

In der Vorfreude auf die erneute Aufnahme der Vorträge traute sich die Literarische Gesellschaft im Jahr 1946 zu einer Festschrift zum Jubiläum an die Leser - mit der kargen Zuteilung von Papier.
Der Artikel aus dem Merkur vom 08. Januar 2015 beschreibt, wie es laut der Zeitung war, die Literarische Gesellschaft durch die Zeit des Nationalsozialismus zu navigieren. Theodor Engelmann war von 1934 bis 1944 Vorsitzender.

Ab 1921: Unsere Gründerzeit.
Ein Blick in unsere späte Weimarer Zeit: Bericht über Karl Schnell, Mitglied unserer Gründung, Münchner Neueste Nachrichten, Januar 1931.
1924 wurden die Veranstaltungen öffentlich, in der Folge übernahm der bayerische General Schupbaum von Vinzenz Mandl den Vorsitz, beide folgend auf Dr. Adolph Stamm. Letzterer lud am 12.10.1921 zwanzig Mitglieder zum Gründungstreffen nach Krailling ein.
Unsere Tradition wurzelt in der Bildungstradition der Kaiserzeit, unser Gründer war ab 1900 Direktor eines preußischen Gymnasiums, ab 1912 Mitglied der Schopenhauer-Gesellschaft Berlin.

Liste der Vorsitzenden der Literarischen Gesellschaft:
1921-1924 Adolph Stamm, Geheimer Rat
1924~1926 Vinzenz Mandl, Hauptmann
1926-1934 Karl K. Schupbaum, Generalmajor
1934-1944 Theodor Engelmann
1945-1948 Prof. Dr. Walter Goetz, o.Prof und MdR
1948-1958 Dr. Frank Höfer, Kinderarzt
1958-1973 Werner Lehmann, Verlagsbuchhändler
1973-2009 Wolfgang Pollner, selbständiger Buchhändler
2009-2024 Dr. Klaus Stadler, Verlagslektor
ab 2024 Ulrich Rosenbaum
RÜCKSCHAU-THEMEN.
1 Literatur
Der belletristische Teil unseres Programmes. Annemarie Stoltenberg aus Hamburg liest regelmäßig in der Adventszeit bei uns.
2 Autoren und (ihre) Biografien
Neben der Belletristik, sind auch die Autoren von Sachbüchern Teil unseres Programms. Hierzu veranstalten wir Büchervorstellungen und Diskussionen mit unserem Publikum. In der Vergangenheit von Krieg und Nachkrieg war Frau Else von Rad-Spitta (1943-1950) eine wesentliche Klammer zwischen diesen beiden vollständig gegensätzlichen Epochen.
3 Politik und Zeitgeschehen
Die Politik der letzten zehn Jahre hat das Reich der Statik verlassen. Auf unserer Bühne haben verschiedene Vorträge die tektonischen Verschiebungen der Gegenwart bei uns in Gräfelfing dargelegt. Herfried Münkler hat schon im Juni 2014 bei uns den Ersten Weltkrieg im modernen politischen Denken und im Oktober 2025 (Blog) die Wiederkehr der Machtpolitik als politisches Leitbild erläutert.
Martin Schulze Wessel (2024) zeigte uns Osteuropa, dessen Kultur, Traumatisierung und Geschichte sich sehr von der unseren unterscheidet, siehe auch Blogbeitrag. Geschichte ist dort, anders als bei uns in Westeuropa, einfach häufig gelebter Alltag.
Im selben Pulsschlag beschrieb uns Susanne Glass April 2024 den Staat Israel im Wandel. Zunächst allein, dann im November 2025 gemeinsam mit Jenny Havemann. Beide pflegen ein vorbildliches Miteinander: "Zwei Ansichten - eine Freundschaft". Die Politik als Erzählung, Geschichte als Gegenwart.
In unserer Historie findet sich auch Vortrag von Prof. Kurt Huber von 1943.
Zu weiteren Vorträgen

4 Zeitgeschehen und Wissenschaft
Brennpunkt unseres heutigen Programmes ist die Demokratie: ihre Absicherung sowie die Gefahren, die ihr drohen. Im letzten Jahrhundet was es Deutsche Einheit, vorher die politischen Grundfragen jeder Epoche, auch unserer dunklen. Franziska Augstein und Antonia Antonia Grunenberg sprach bei uns im Jahr 2023 hierzu.
Im April 2026 hörten wir Wissenschaftler Dr. Volker Strecke zu den Expeditions ins Antarktis-Reich (Blogbeitrag, Veranstaltungshinweis). Weitere Themen in diesem Bereich sind die Gesellschaft und Fragen unserer Zeit.

5 Szenisches und Kunst
Veranstaltungsformat: Lesung mit Musik oder konzertante Formate. Wir schätzen die Auftritte von Gerd Anthoff (2024). Einen schönen Abend hatten wir zu Ödön van Horváths Stück "Glaube, Liebe und Hoffnung".


Wir erfüllten die folgenden
'atypischen' Aufgaben:
-
Streicherkreis von Glenck
von 1928 bis 1942, -
die Theatergruppe von 1948-53,
-
die Schauspielgruppe 1948-1953,
-
unser Musikkreis bis 1964 sowie
-
der Kunstkreis Gräfelfing ab 1980.
Zuerst war er eine Arbeitsgruppe in unserer Gesellschaft und wurde 1995 ein gemeindlich selbständig geförderter Verein.
Unsere Vortragenden nach Themenfeldern
1 - Belletrisik
3 - Politik und Zeitgeschehen
— Prof. Dr. Kurt Huber — — — — — — — — — Prof. Dr. Kurt Sontheimer — —
4 - Wissenschaft und Gesellschaft
5 - Szenisches und Kunst
Noch nicht zugeordnet:
Ilse Aichinger — Carl Amery
Werner Bergengruen — Horst Bienek — Waldemar Bonsels — Prof. Dr. Karl Bolte —
Prof. Dr. Karl Bosl — Prof. Cesar Bresgen
Elias Canetti
Karl Dedecius — Prof. Dr. Max Dingler — Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt — Günter Eich —
Paul Eipper —
Joachim Fernau — Leonhard Frank — Barbara Frischmuth — Prof. Harald Fritzsch
Gerd Gaiser — Dr. Horst Wolfram Geißler —Lázló Glozer — Prof. Dr. G. H. Göpfert
Dr. Ernst Heimeran — Prof. Ludwig Hoelscher — Prof. Dr. Walter Höllerer
— Erich Kästner — Prof. Dr. Joachim Kaiser — Hellmuth Karasek — Prof Dr. Rudolf Kippenhahn —
Dr. Heinar Kipphardt — Sarah Kirsch — Dr. Jürgen Kolbe — Prof. Christian Graf von Krockow
Ernst Maria Lang — Hermann Lenz — Prof. Dr. Konrad Lorenz
Dr. Otto Meissner — Monika Maron
Elly Ney
Prof. Dr. Wolfhart Pannenberg — Dr. Ernst Penzoldt — Heinz Piontek —
Prof. Dr. Emil Praetorius — Hermann Proebst
Prof. Jens Reich — Luise Rinser
Prof. Rüdiger Safranski — Ina Seidel
— Prof. Dr. Kurt Sontheimer — Prof. Valahfridus Stroh —
W. E. Süskind — Rafik Schami —Asta Scheib — Wolfgang Schmidbauer — Dr. Dieter Schnebel — Dr. Hans Schuster —
Prof. Dr. Fedor Stepun — Carola Stern — Karin Struck
Prof. Bassam Tibi
Zum Gedenken an Dr. Mirok Li - 이미륵 (이의경)
geboren 8. März 1899 in Hwanghae-namdo (Nordkorea;) † 20. März 1950 in Gräfelfing
Er berichtete 1939 bei uns.
RÜCKSCHAU- ARCHIV.
Das Archiv gliedert sich nach Epochen:
Weimar mit 101 Vorträgen und die NS-Zeit (+danach) mit 243 Vorträgen.
Die Bonner Republik folgt mit 469 Abenden und schließlich die
Berliner Republik mit genau 400 Abenden bis zur Coronapause Ende 2021.
Es sind also 1213 Einträge, und: es kommen neue hinzu!
Hat das Laune gemacht, in unserer Geschichte und dem Archiv zu stöbern?

