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Eine Reise ins Eis der Antarktis mit
Dr.  Volker Strecke

AUTOR: MICHAEL TREISS

MONTEVIDEO (UY), 12.04.2026

Gräfelfing (LitG) – An diesem Abend, dem vierten Vortrag der aktuellen Reihe, begrüßte Herr Ulrich Rosenbaum namens der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing Herrn Dr. Volker Strecke, einen Wissenschaftler der Antarktis und dreifacher Überwinterer, was in Fachkreisen als die eigentliche Währung des Renommees gilt. Dr. Strecke las vorwiegend aus seinem chronistischen und reich bebilderten ersten Band "Expedition Antarktika: Logbuch einer Zeitreise". Dabei nahm er die Zuhörer mit in die Geschichte der Antarktisexpeditionen, unterlegt mit einer Vielzahl genau recherchierter Einzelheiten zur Nautik dieser früheren Unternehmungen und der Kommunikation über den Seefunk.

Video: Abbruch an der Kante des Perito-Morino-Gletschers in Patagonien (Autorenfilm).

Buch Volker Strecke: Geschichte und Motive 

Die Geschichte beginnt mit einer Reihe historischer Expeditionen (James Cook, Neumayer) aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Einige der Motive dieser Expeditionen wirken aus heutiger Sicht oft befremdlich: Walfang und Robbenschlagen, letzteres in dieser Zeit sehr begehrt für Pelzmäntel. Als für die Wissenschaft und die Nautik sehr wertvoll erwiesen sich die Forschungen dieser Zeit zur Gravitation, das Erdmagnetfeld und insbesondere die Kartografie. Hinter dieser edlen Absicht steckte die Landnennung ("Königin Maud Land") als stille Vorbereitung der späteren Landnahme oder zumindest des Anspruchs auf diese Gebiete.

Frühes 20. Jahrhundert:  Expeditionsolympiade

Um die Jahrhundertwende nahm die Zahl der Expeditionen rasant zu. Aus deutscher Sicht interessant ist die von Erich v. Drygalski von 1901 und 1903. Diese Zeit brachte einen nationalen Wettlauf um geopolitische  Interessen und Prestige mit sich. In diesem Rennen siegte der Norweger Amundsen, der als Erster Ende 1911 den Südpol erreichte. Dr. Strecke schilderte an dieser Stelle eindrucksvoll die Dramen der im Eis eingeschlossenen Schiffe, die Tücken des frühen Kurzwellenfunks und die oft tragischen Ursachen, warum viele dieser Expeditionen scheiterten oder gar tödlich endeten.

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Internationale Zusammenarbeit 

Dr. Strecke schreibt im weiteren Teil seines Buches über die Blütezeit der gemeinsamen internationalen Forschung am Südpol, wie etwa eine von England, Norwegen und Schweden getragene Forschungsstation (1949–1952). Es folgen die Beiträge der beiden deutschen Staaten, ab 1959 der DDR und ihrer Forschungsstation "Georg Foster", auf die Dr. Strecke selbst ab 1988 auch delegiert wurde. Er las diese autobiographische Passage aus seinem Buch (S. 188) vor: "Sie haben 6 Tage Zeit zu Ihrer persönlichen Vorbereitung".  Die Bundesrepublik betrieb 1981 eine eigene Station, benannt nach dem Polarforscher Neumayer.

 

An diesem Abend erwähnte Dr. Strecke auch den Antarktisvertrag aus dem Jahre 1959. Dessen Geist passt nach Sorge des Autors nicht mehr zur heute herrschenden Machtpolitik (> Vortrag Münkler) und kann der letzten Teil aus der Ära des internationalen Idealismus sein. Das Vertragssystem (ATS) definiert die Antarktis als ein der gesamten Welt gemeinsam gehörendes Territorium, frei von nationalen Ansprüchen. Es gilt unbefristet, aber ab 2048 ist es auf Verlangen überprüfbar, im geopolitischen Umfeld von heute eine äußerst instabile geopolitische Klausel. Vor Ort in Ushuaia spürt man heute davon noch nichts. Argentinien aber hat die Antárdida in ihren offiziellen Provinznamen von Feuerland integriert. Das ist Landnahme im Kopf.

Autorenfoto, mit Einverständnis des Refenten

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Der Blick des Autors

Dr. Strecke publizierte einen beeindruckend recherchierten beschriebenen und mit eingehenden Anhängen ausgestatteten Band. Bei den historischen Expeditionen - Beispiel Prof. Drygalski von der LMU - könnte in Folgeauflagen noch ein Zeitbild (Interessenlagen im Kaiserreich, königlich bayerische Forschung, Finanzierungsfragen der Zeit) spannend sein. Besonders verdienstvoll ist Volker Steckes Darstellung der Polarforschung der DDR als einen integralen und selbstverständlichen historischen Teil der deutschen Forschung. In der heutigen Wahrnehmung der geeinten Republik kommen diese Leistungen oft zu kurz.


Besonders danke ich der Buchhandlung WortSchatz und Frau Julia Sauerbrei für ihren tollen Bücherstand.

Autorenfoto, mit Einverständnis der Inhaberin

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Zum Buch: Dr. Volker Strecke. Expedition Antarktika: Logbuch einer Zeitreise, DARC-Verlag 2025,
380 S., ISBN: 3-88692-130-1, 39.80 €  (Hinweis: der 2. Band ist nicht Teil des Blogbeitrags).

 

Veranstalter: Literarische Gesellschaft Gräfelfing – "www.literarische.de“

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