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Künstliche Intelligenz, 
Maschinen und Menschen

Jannis Brühls umfassender Vortrag aus seiner Praxis führte uns sehr tief in die Technologie der Künstlichen Intelligenz ein: ob, wo und wie sie die Fähigkeiten von uns Menschen ergänzt oder ersetzt.

AUTOR: MICHAEL TREISS

GRÄFELFING, 08.05.2026

Jannis Brühl bei der Literarischen Gesellschaft

Gräfelfing (LitG) - Am letzten Abend unseres aktuellen Programms begrüßte Herr Ulrich Rosenbaum, Vorsitzender der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing, vor etwa 100 Hörern als Referenten Herrn Jannis Brühl. Er ist Ressortleiter für Digitales in der SZ und sehr profilierter Journalist für Fragen der KI in der Bundesrepublik. Brühl beschrieb den rasanten Wandel in den 3,5 Jahren nach Veröffentlichung von ChatGPT.

Brühls Buch: die Machtstrukturen.

Die in Brühls Buch 'Disruption' beschriebenen Fragen der Macht spiegeln die Rivalität innerhalb der Tech-Oligarchie und die Poltik darum herum. Im Weißen Haus und in MAGA ist die KI-Industrie bestens verankert, schreibt Brühl.

Brühl befasste sich in seinem Buch sehr eingehend mit den Protagonisten des Silicon Valley, unter anderem Peter Thiel als Mentor von J.D. Vance, David Sacks als führender Technologie-Berater von Trump sowie mit Samuel Altman, dem Chef von OpenAI. Alle drei wechselten mit Unterschieden im Ausmaß und den Motiven auf die Seite von Donald Trump sowie seiner rechten und nationalistischen MAGA-Bewegung.

Brühl untersucht im Einzelnen die Vorliebe Thiels für Monopole und seine Abneigung gegenüber dem Wettbewerb und der Demokratie. Es folgt die Vorliebe des Silicon Valley für die Disruption eines Geschäftsfeldes, angelehnt an die Idee der kreativen Zerstörung des Ökonomen Joseph Schumpeter

Autorenbild: Jannis Brühl

Die Entwicklung der KI

Jannis Brühl zeigte mit der Mess- und Regeltechnik als Teil der Kybernetik die theoretischen Anfänge der KI. Die 1980er zeigten Stillstand: den KI-Winter. Die Expertensysteme dieser Zeit scheiterten an ihren starr programmierten Regelwerken.

Die Wissenschaft hingegen schritt unter der Grasnarbe schnell voran. Die Forschung zu den systemtheoretischen Normalformen, logischen Bäumen und den neuronalen Netzen ging zügig weiter. Sie war Schritt um Schritt reif für die KI.

Literarische Gesellschaft Gräfelfing KI Jannis Bruehl und Ulrich Rosenbaum

Autorenbild: U. Rosenbaum,  J. Brühl  (06.05.2026)

Computerspiele und Bitcoin als Techniktreiber

Das Arbeitsprinzip eines großen Sprachmodells (engl. Large Language Model - LLM) wie ChatGPT und Gemini passt gut zur Filmillusion. Sieht man einen Film, verschmelzen viele nur graduell andere Standbilder ab einer Schwelle zu einem sinnvoll optisch bewegten Ablauf. Übertragen auf das LLM - mit Abstrichen: es liefert eine Sprachillusion, dank sehr dicht gewordener semantischer Netze und der enormen Fähigkeit, Wörter sinnvoll -semantisch valide-  anzufügen (Probabilistik), siehe das Gedankenexperiment unten*.

Autorenbild: Jannis Brühl erläutert Anwendungen (06.05.2026)

Jannis Brühl liest zu den Aufgaben der KI

Parallelität war gefragt! Die seit 2000 entwickelten Grafikkarten reiften stufenweise zu vollwertigen Prozessoren heran, den GPUs. Computer-Spiele und das Schürfen von Bitcoin befeuerten ihre Entwicklung immer weiter. 2020 war die 'Sprachillusion' schließlich nahe genug an der echten Sprache - einsatzfähige Technik für die KI war in der Welt.

Autorenbild: Jannis Brühl liest  (06.05.2026)

Chancen und Gefahren für den Menschen

Aus dem zahlreichen Beispielen von Jannis Brühls Buch seien die nachfolgenden ausgewählt und um Autorenbeispiele ergänzt.​

  • Journalismus und Medien: Brühl sieht die Auswirkungen sehr kritisch. Grund ist die große Mühe, die eine Teilhabe am politischen Diskurs erfordert – man muss das zielsichere Erkennen von Deepfakes erlernen.
     

  • Die Arbeitsmarktrisiken durch KI-Agenten in vielen Branchen. Es gibt die Gefahr, dass sich Fachleiter von Wissensgebieten ihre eigenen 'Algorithmus-Park' als beruflichen Wagenburg bauen, der Karriereleitern und Lernwege Anderer bricht. Der Autor nennt das Refeudalisierung.
     

  • Die Chancen auf Demokratisierung im soziologischen Sinne, weil sozial Tiefergestellte die Machtmuster ihrer Kontrahenten mit Hilfe der KI erkennen, enthüllen und erwidern können, in der Tat in sehr vielen sozialen Kontexten.

Die Diskussion im Plenum

Literarische Gesellschaft Gräfelfing   Jannis Bruehl signiert

echtes Autorenbild: Jannis Brühl signiert Bücher (06.05.2026)

Die Diskussion gehörte zu den längsten unserer jüngeren Zeit. Thema war OpenAI, mit Blick auf das Nonprofit-Unternehmen, als das es einst gegründet wurde. Ferner ging es um die Gefahren, die KI in Kriegen und der inneren Sicherheit unreguliert einzusetzen.

Wesentlicher Teil der Diskussion von Hörern mit Herrn Brühl war auch die Furcht, ob und wie unser Land in dieser Liga (noch) mitspielen kann.

Der Blick des Autors.

Abschließend betrachtet, treibt Jannis Brühl die Sorge vor dem Verlust der Souveränität und der Demokratie um, dass die politischen Instanzen ihre gesetzgebende Gewalt an künstliche Systeme abgeben. Der definitiv fundierte, aber nur auf die USA zentrierte Ansatz ist auf die Sicht auf China zu erweitern.

AI-Rennen auf dem Schachbrett

KI-Autorenbild: Rivaltät mit China (ChatGPT, Vers. 5.4)

Die Rivalität der USA mit China betrifft auch die KI-Technik als Instrument ihrer Herrschaft. Kontrafaktisch: Kamala Harris anstelle von Donald Trump  hätte Bidens unkluge restriktive KI-Politik nicht durchhalten können. Beraterstäbe und Allianzen mit KI-Tech hätte es unter Harris gleichermassen bedurft. China beginnt bereits, die USA in Sachen Effizienz zu überholen.

Ihr Feedback bitte gern an verwaltung@literarische.de
Auf Abstimmung gern hier veröffentlicht.

Zum Themenbereich Wissenschaften

Zum Veranstaltungshinweis.

 

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Zum Buch: Jannis Brühl.
Disruption: Die Ideologie der Tech-Oligarchen,
Deutsche Verlags-Anstalt 2026, 256 S.,
ISBN: 3-42107-056-3, 39.80 € 

* Gedankenexperiment zur Erläuterung der Probabilistik:

Szenario: 
Ein Mensch denkt alternativ 
a) Der Hund läuft an der .... oder  
b) Die Katze springt auf die ... 

Lösung:
Zu a): Die KI hat die Aufgabe, den Satz probabilistisch um das letzte Wort zu ergänzen. Genau ein Wort ist plausibel: LEINE.
Die Datenlage in der KI dazu ist eindeutig.

Zu b): Hier wird es komplizierter - die Wörter MAUER, COUCH oder BANK stehen ähnlich wahrscheinlich zur Auswahl. Die KI muss also Kriminalpolizei spielen, um Fehler zu minimieren. Sie muss also nach Indizien suchen, wo sich die Katze aufhalten könnte. Das ist sinngleich zu: den Kontext ermitteln, hier den 'lokalen' Kontext. Aus dem schält sich dann das am meisten wahrscheinliche Wort heraus,  wie der 'Täter' bei der Kripo.

Rein technisch kommen hier Matrizen, Datenbanken oder sogenannte Wissensgraphen zum Einsatz. Der für die Literarische Gesellschaft einschlägige Graph ist das Beispiel im Link oben.
Quelle: Autor.

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