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Leben der Alma Mahler-Werfel
VON ELISABETH BRANDL Gräfelfing - "Als Biograph gibt es nichts
langweiligeres, als über einen langweiligen Menschen zu schreiben. Das
war Alma Mahler-Werfel mit Sicherheit nicht", sagt Oliver Hilmes und
schmunzelt. Er muss es wissen. Denn soeben ist im Siedler Verlag München
sein Band "Witwe im Wahn" erschienen. Eine Kostprobe daraus setzte er
auf Einladung der Literarischen Gesellschaft am Dienstag den zahlreich
erschienen Gästen vor.
Das Besondere an dieser so unterhaltend geschriebenen
Lebensgeschichte einer Femme fatale: Hilmes Recherchen basieren auf bis
dato unerschlossenen, ja unentdeckten Quellentexten. Der 33-jährige
Autor eroberte sich das Thema anlässlich seiner Promotion über Gustav
Mahler. Dass über dessen Ehefrau, die auch jene von Walter Gropius und
Franz Werfel wurde, zudem aber die Geliebte von Oskar Kokoschka,
Alexander von Zemlinsky und zahlloser weiterer Größen ihrer Zeit,
bereits fünf Biographien vorliegen, störte ihn keineswegs. Denn einzig
und allein Oliver Hilmes betrieb die "Ausgrabungsarbeiten" in der
Van-Pelt Library in Philadelphia, sichtete die 46 Archivkartons mit Alma
Mahlers Nachlass. "Als ich die Tausende von Briefen an Alma, das
Konvolut ihrer Tagebuchaufzeichnungen sah, wurde mir klar, was für einen
Schatz ich da gehoben hatte."
Alma, aus großbürgerlichem Wiener Haus gebürtig,
Tochter eines Malers und einer Sängerin, Debütantin in "klangsprachlich
progressiver" Liedkomposition, polarisierte schon ihre Zeitgenossen des
Fin de Siècle wie der Republik. Sie selbst stilisierte sich, umgetrieben
von ebenso narzisstischen wie hysterischen Affekten, zur "inspirierenden
Muse". Andere, wie Friedrich Torbergs Ehefrau, sahen in ihr "eine große
Dame und gleichzeitig eine Kloake".
Als Oliver Hilmes die eine oder andere Episode ihrer
so ausschweifenden wie faszinierenden Affären zum Besten gab, wurde es
offensichtlich. Alma Mahler-Werfel provoziert auch heute, vom empörten
Kopfschütteln bis zum verständnisvollen Grinsen. "Ich wollte sie nicht
auf die Couch legen", versichert der Autor, "sie war neurotisch, aber
nicht krank, ich habe großen Respekt vor ihrer unglaublichen
Lebensenergie." Die "Witwe im Wahn" verführt, damals wie heute. Nicht
zuletzt dazu, ihr Leben aus der Sicht Oliver Hilmes zu goutieren.
mm
27.11.2004
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