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Anzeichen von Fremdeinwirkung?
Fragen Sie mich nach der Obduktion!

Die typische Frage aus jedem Krimi kompetent beantwortet. Zusammen mit über 300 Gästen mit dem Großmeister der Rechtsmedizin am Seziertisch.

AUTOR: VEREINSREDAKTION
GRÄFELFING, 07.05.2025

Auf diese Frage von Kommissiar Xaver März in Robert Harris' Poilitkrimi 'Fatherland' antwortete an diesem Abend die Legende Prof. Wolfgang  Eisenmenger vom Institut für die Medizin des Rechts an der LMU München aus seinem enormen Fundus.

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Prof. Eisenmengers Longlist

Über Jahrzehnte war der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München der Spezialist für die kniffligen Fälle. Viele Prominente lernte er erst nach deren Tod kennen: Er obduzierte Franz Josef Strauß, Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer, begutachtete die rechtsmedizinischen Untersuchungsergebnisse zu Rudolf Hess und Lady Diana und wurde zum Spezialisten für DNA-Analyse. Etwa 20.000 Leichen lagen auf seinem Seziertisch.

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In Gräfelfing berichtete er in seinem Vortrag vom Alltag der Rechtsmedizin, insbesondere zu den Unterschieden der echten Arbeit Kriminalgutachter im Vergleich zu der des Fernsehkrimis. Einer ist zum Beispiel, dass in der Wirklichkeit der Todeszeitpunkt nicht so genau angegeben werden kann wie die "Magie" der Fernseh-Forensik das vermuten lässt. Die wesentlichen Fälle, an die der Autor diesen Abend erinnerte, waren:

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  • Es werden bei der Rechtsmedizin auch nicht zwingend bei Verdacht auf eine Straftat untersucht. Auch untersuchte er Personen des öffentlichen Lebens, zum Beispiel Franz-Josef-Strauß. Von besonderem Interesse ist auch die überraschende Rolle der Rechtsmedizin im Strafprozeß. Vor dem Schwurgericht nimmt der Gutachter vom ersten Tag an an der Sitzung teil und arbeitet die Kenntnisse aus der Gerichtsverhandlung noch ins Gutachten ein. Erst nach Ende der Zeugeneinvernahme und unmittelbar vor den Plädoyers erstattet der Gutachter vor der Spruchkammer Bericht-
     

  • Morde an Ukrainern in den 1950er Jahren.
    Schon zu dieser Zeit konnte nachgewiesen werden dass diese vergiftet wurden. Dies fiel nur auf, weil zwei Leichen mit ähnlichem Bild in kurzer Zeit zur Prüfung eingeliefert worden sind, nur dann schien das Muster auf. Hierzu musste ein Verstorbener exhumiert werden. Hier zeigten sich von den Nachrichten her bekannte Muster: beide Opfer wurden mit dem selben Gift getötet, das bei einer einzelnen Tat nicht entdeckt worden wären.
     

  • Morde aus der Landwirtschaft im Landkreis Weilheim.
    Hier wurden über ein bis zwei Jahre hinweg im Rahmen eines Erbstreits um einen Bauernhof sehr bestialisch ausgeübte Morddelikte verübt, die bei der Ersttat unentdeckt geblieben sind. Manche Dinge fallen erst auf, wenn sie ein zweites Mal auftreten und sich ein Muster enttarnt. Hier hat man dann am Bild der Verletzung am Hinterkopf sich ein eindeutiges Gewaltbild machen können - und noch am gleichen Abend wurde die Täterin stehenden Fußes verhaftet.
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Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger

 

Er stammt aus Waldshut am Hochrhein an der Schweizer Grenze, studierte Medizin, wollte zunächst Landarzt werden. Der überlegte und trat 1972 in das rechtsmedizinische Institut der LMU in München ein. 1977 erfolgte Habilitation, von 1989 bis 2009 Leiter des Instituts. Verfasser und Herausgeber zahlloser wissenschaftlicher Publikationen. Zahlreiche Ehrenämter im Bereich der Wissenschaft, seit 1995 Mitglied der Leopoldina. Neben seiner rechtsmedizinischen Expertise befasst sich Prof. Eisenmenger vor allem mit den Fragen der medizinischen Ethik.

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