In dubio pro Seziertisch!
- 6. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Feb.
Mit über 300 Gästen mit dem Großmeister in die schaurig schönen Abgründe der Rechtsmedizin.
AUTOR: VEREINSREDAKTION
MÜNCHNER MERKUR / SÜDDEUTSCHE ZEITUNG VOM 07.05.2025
Gräfelfing (MM) - In seinem Fachgebiet gilt Professor Eisenmenger als Legende. Über Jahrzehnte war der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München der Spezialist für die kniffligen Fälle. Viele Prominente lernte er erst nach deren Tod kennen: Er obduzierte Franz Josef Strauß, Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer, begutachtete die rechtsmedizinischen Untersuchungsergebnisse zu Rudolf Hess und Lady Diana, wurde zum Spezialisten für DNA-Analyse. Etwa 20.000 Leichen lagen auf seinem Seziertisch, genau hat er sie nie gezählt.

In Gräfelfing berichtete er in Vortrag vom Alltag der Rechtsmedizin und insbesondere zu den Unterschieden der Kriminalgutachter vom Fernsehkrimi. Einer ist zum Beispiel, dass in der Wirklichkeit der Todeszeitpunkt nicht so genau angegeben werden kann wie die "Magie" des Fernsehens das vermuten lässt. Die wesentlichen Fälle, an die sich der Autor erinnert waren:
Es werden bei der Rechtsmedizin auch nicht zwingend bei Verdacht auf eine Straftat untersucht. Auch Personen des öffentlichaen Lebens wurden von ihm untersucht, zum Beispiel Franz-Josef-Strauß
Morde an Ukrainern in den 50er Jahren. Schon zu dieser Zeit konnte nachgewiesen werden dass diese vergiftet wurden. Dies fiel nur auf, weil zwei Leichen mit ähnlichem Bild in kurzer Zeit zur Prüfung eingeliefert worden sind, nur dann schien das Muster auf. Hierzu musste ein Verstorbener exhumiert werden.
Morde aus der Landwirtschaft im Landkreis Weilheim. Hier wurden über ein bis zwei Jahre hinweg im Rahmen eines Erbstreits Morddelikte verübt, die bei der Ersttat unentdeckt geblieben sind. Manche Dinge fallen erst auf, wenn sie ein zweites Mal auftreten. Hier hat man dann am Bild der Verletzung sich ein eindeutiges Gewaltbild machen können.
Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger
Er stammt aus Waldshut, studierte Medizin, wollte zunächst Landarzt werden, bevor er 1972 in das rechtsmedizinische Institut der LMU in München eintrat. 1977 Habilitation, von 1989 bis 2009 Leiter des Instituts. Verfasser und Herausgeber zahlloser wissenschaftlicher Publikationen. Zahlreiche Ehrenämter im Bereich der Wissenschaft, seit 1995 Mitglied der Leopoldina. Neben seiner rechtsmedizinischen Expertise befasst sich Prof. Eisenmenger vor allem mit Fragen medizinischer Ethik.
