Mittwoch, 24. Februar 2010

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz 


Georg P. Salzmann



Die Bibliothek der verbrannten Bücher

Aus dem Leben eines Sammlers

Süddeutsche Zeitung
Münchner Merkur




„Zu jedem Buch gibt es eine Geschichte“, sagt Georg Salzmann über seine Sammlung „verbrannter Bücher“. Und dennoch hat er sich entschlossen, sich von ihr zu trennen, sie der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen. Die Geschichten, die er erzählen wird, beginnen am 10. Mai 1933, dem Tag der „Bücherverbrennung“.

In den Siebzigerjahren begann er mit der Sammlung der „verbrannten Bücher“. Mehr zufällig ist Salzmann 1976 auf einen der "verbrannten“ Autoren gestoßen. Der Büchernarr und Sammler hat über 12 000 Bücher erworben – auf Flohmärkten oder in Antiquariaten. Meist Erstausgaben, dazu Sekundärliteratur – und nicht nur über die bekannten Autoren wie Stefan Zweig oder Lion Feuchtwanger. Warum er sammelt und was er dabei erlebt, auch davon wird er in Gräfelfing berichten.

Georg P. Salzmann stammt aus Thüringen, ist 1953 in die Bundesrepublik geflohen. In Frankfurt,  Bremen und  München hat er bei Wohnungsbaugesellschaften und Immobilienfonds gearbeitet.  Seit 1989 wohnt er in Gräfelfing.

Er wurde 2007 mit der Karl-Preusker-Medaille der Deutschen Literaturkonferenz ausgezeichnet.

Seine umfassende Sammlung wurde 2009 vom Freistaat Bayern für die Universitätsbibliothek Augsburg erworben.





„Habent sua fata libelli“ – „Sie haben ihr Schicksal, die Büchlein“

"In dem Film 'Fahrenheit 451' von François Truffaut aus dem Jahre 1966 legt die Feuerwehr Brände, anstatt sie zu löschen. Sie verbrennt Bücher, weil es in dieser Gesellschaft verboten ist, Bücher zu lesen und zu besitzen. Bücher sind gefährlich, der Macht ist Geist gefährlich. Den Menschen, die Bücher brauchen, bleibt nichts anderes übrig, als ihre Bücher auswendig zu lernen, in die Wälder zu entfliehen und sie dort einander vorzutragen. Auch die Nationalsozialisten haben Bücher verbrannt, doch es ihnen - auf Dauer - weder gelungen, den Geiste der Bücher zu vernichten, noch alle Bücher selbst."  -
So beginnt Gerd Holzheimer im Mai 1994 unter dem Titel "Wunderbare Auferstehung" einen Artikel über Georg Salzmann und sein Dokumentations- und Forschungsarchiv "10. Mai 1933 - Deutsche Literatur auf dem Scheiterhaufen".


"Seinen Platz auf der braunen Ledercouch teilt Salzmann mit einem Stapel Bücher. Bücher lagern auf dem Esstisch,
 lehnen an ächzenden Regalen, schwappen hinunter ins Erdgeschoss und füllen den Keller."


Deutschlandfunk: "...das hier oben ist der komplette Carl Zuckmayer. Daneben ist der absolut komplette Joseph Roth. Diese Reihe ist der absolut - wenn ich absolut sage, dann ist das lückenlos, da fehlt also nichts mehr - Erich Maria Remarque, drunter ist der komplette Theodor Plievier. Diese vierte Reihe ist der, bis auf zwei frühe Theaterstücke, der komplette Oskar Maria Graf. Drunter ist der komplette Hans Habe, die untere Reihe ist der komplette Robert Neumann... "



   Foto: merkur-online

Vertragsunterzeichnung: v.l.n.r: Alois Loidl, Vizepräsident der Uni Augsburg - Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch - Georg P.Salzmann - Wolfram Kastner, Aktion Patenschaften

Pressemitteilung der Bayer. Staatsregierung zum Ankauf der Sammlung Salzmann für die Universitätsbibliothek Augsburg - Börsenblatt: Vertrag unterzeichnet -
"Für uns sprechen das wissenschaftliche und bibliothekarische Umfeld, die zu erwartende reiche Nutzung für Forschung und Ausbildung sowie die Präsentationsmöglichkeiten", erklärte Bibliotheksdirektor Ulrich Hohoff. Finanziert wurde der Ankauf durch die Universität und die Stadt Augsburg, die Bayerische Landesstiftung, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Landeszentrale für politische Bildung, Herrn Dr. Georg Haindl als privaten Mäzen sowie den Verein 'Patenschaften für verbrannte Bücher e.V.'.
"Bibliothek der verbrannten Bücher" mit großer Zukunft an der Universität Augsburg. -
Konzept für die Unterbringung der "Bibliothek der verbrannten Bücher" -
Am 13. November 2009 wurde die "Bibliothek der verbrannten Bücher" erstmals als neue Sondersammlung der Universitätsbibliothek Augsburg öffentlich präsentiert.

Augsburg-Wiki - Bibliothek -
Die Bücherverbrennung 1933 - Liste der verfemten Autoren - "Wider den undeutschen Geist" - Aufruf zur "Feier der nationalen Revolution am 10. Mai 1933 in München" - "Grundlage für die symbolische Handlung im Verbrennungsakt" - Bibliographie zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933

Archiv-Link auf die 2008 geschlossene Seite der "Aktion Patenschaften für verbrannte Bücher e.V."

Bibliothek verbrannter Bücher
(
Moses Mendelssohn Zentrum e.V.)

Sylvie Bantle - Das Brandloch

Das Buch der verbrannten Bücher -
Volker Weidermann und ein Buch gegen das Vergessen
Der letzte Teil des Buches ist Georg P. Salzmann gewidmet, der über viele Jahre 12.500 Ausgaben der “verbrannten Bücher“ gesammelt hat. “Zu jedem Buch gibt es eine Geschichte“, sagt er, “die Werke, die verbrannt wurden, um vergessen zu werden, an jenem Tag im Mai. Und die schon deshalb nicht vergessen werden dürfen. Niemals.“


ZEIT online 13.5.08: Brecht, bis die Wände knarren - Welt online: Der verspätete Retter der verbrannten Bücher -

 
"Es handelt sich nach Auskunft des Bayerischen Wissenschaftsministeriums um die weltweit umfangreichste Sammlung zu diesem Thema." -

„Diese Sammlung“, so Prof. Volker Hoffmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München, „ist von unschätzbarem kulturhistorischen Wert, zum einen im Blick auf die ideellen Grundlagen der demokratischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, zum anderen im Blick auf die Literaturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.

 

Münchner Merkur 12.10.09 - mehr


Aufstellung der Autoren in der Sammlung.  Aus der Homepage der Universitätsbibliothek Augsburg

   


Familienspruch: "Georg, die Kellerassel"