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JUBILÄUM 1951

Zum 30 jährigen Bestehen der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing im Jahre 1951

Titelbild der Festschrift 1951
Eingangstext der Festschift 1951
Text (Einleitung) der Festschrift 1951

DIE
GRÄFFELFINGER LITERARSCHE
GESELLSCHAFT
1921 - 1951


Wer vor 60 Jahren eine Wanderung von Pasing im Würmtal aufwärts nach Starnberg unternommen hätte, wäre den fröhlich strömenden Fluß entlang durch sehr kleine Bauerndörfer gekommen, von denen jedes einzelne die Würm ein kurzes Stück begleitete — sonst aber kam der Wanderer durch grüne Wiesen, Kornfelder und Wald und er freute sich, der Stadt für eine Weile entronnen zu sein. Keines dieser Dörfer zählte mehr als ein halbes oder ganzes Dutzend Bauernhäuser und nur die Bahn nach Starnberg, die auf dem westlichen hohen Ufer des Tales fuhr, erinnerte mit ihren wenigen Zügen an den Lärm der Welt, Als sich in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Villenkolonien in Pasing entwickelten, als der Männerturnverein München etwa zur gleichen Zeit in Lochham einen Spielplatz mit einer Einkehr für Ermüdete und Durstige anlegte, drangen die Münchner im Würmtal vor. In Gauting entstand westlich der Bahn eine Siedlung mit leichten Sommerhäusern, bald aber auch von dauerhafteren Häusern, da Vorortzüge den Verkehr mit München erleichterten. So ging es auch mit Planegg und Krailling, zuletzt auch mit Gräfelfing und Lochham, wo die Häuser in das Waldgelände westlich der Bahn hineingebaut wurden, während die Bauernhöfe unten an der Würm noch von der alten Gestaltung des Tales Zeugnis ablegten. Aber es dauerte nicht lange, bis die Waldkolonie sich hinunter entwickelte und den alten bäuerlichen Charakter schließlich zerstörte.

Da die Pasinger Landhauskolonien mehr und mehr mit der Stadt und ihrem Leben verwuchsen, schieden sie aus der Würmtal-Entwicklung aus; Gauting erwarb sich im raschen Wachstum durch den Zuzug an Einheimischen und Nichtbayern eine Vorzugsstellung, denn hier begann über die Schönheit der Wälder hinaus schon etwas von der hügelreichen Landschaft der Vorgebirgsgegend. Planegg, durch sein Schloß in besonderer Weise gekennzeichnet und hervorgehoben, folgte nach, bis schließlich Gräfelfing den beiden anderen den Rang ablief. Es übte nach dem ersten Weltkrieg eine Anziehungskraft aus, die den anderen ver-loren ging, und es entwickelte sich mit Rentnern aus allen Teilen Deutschlands, mit Münchner Beamten und Kaufleu-ten, mit Künstlern und Schriftstellern zur begehrtesten und schließlich zur größten Kolonie des Würmtales.

Eine geistige Entfaltung schloß sich an. Zu der einst rein katholischen kleinen Gemeinde kam durch steigende Zahl Zuwanderer eine protestantische Gemeinde, und die Rentner, die oft hohe Beamte waren, begannen Anforde-rungen nach geistigen Genüssen zu stellen, um dann nicht nur auf München und etwas unbequeme abendliche Fahrten angewiesen zu sein. Doch war dieses Bedürfnis zuerst keineswegs nur gräfelfingisch — die ersten Anregungen zu einer literarischen Vereinigung gingen gleichmäßig von Gauting, Planegg-Krailling und Gräfelfing aus. Vor allem entstand nach dem ersten Weltkrieg das Bedürfnis nach einer geistigen Vertiefung und einer Ablenkung von den Nöten der Zeit. Die erste Anhängerschaft der „Literarischen Gesellschaft“ kam aus den gesamten vier Orten, zu denen sich dann auch Stockdorf und Lochham gesellten. Planegg schien der gegebene Mittelpunkt dieser Bildungsgemein-schaft zu sein, und so kam man auch jahrelang auf Planeg-ger Boden zusammen. Die Gautinger Mitglieder, anfangs nicht gering an....

Text, Pasinger Landhauskolonien
Text, Vorortzug

... Zahl, ließen es sich nicht verdrießen, mit dem Vorortzug zu kommen, und die Nähergelegenen kamen zu Fuß, auch wenn sie eine halbe Stunde zu wandern hatten. Aber langsam ver-schob sich der Mitgliederbestand. Die Gräfelfinger, als Gemeinde immer stärker wachsend, ragten seit Mitte der 30er Jahre an Zahl so hervor, daß man die Zusammenkünfte und damit den Mittelpunkt der Gesellschaft nach Gräfelfing verlegte, wo sich in dem großen und schönen Saal des „Weißen Rößl“ ein geeigne-ter Raum für die immer zahlreich besuchten Vortragsabende bot. Aus der Literarischen Gesellschaft des Würmtals wurde die „Literarische Gesellschaft Gräfelfing“.


Aber auch eine innere Wandlung kam. Hatte die Gründung der Gesellschaft den Wunsch zum Ausdruck gebracht, in einem kleinen Kreise literarischen Austausch zu pflegen und eigene Schöpfungen der Mitglieder zur Geltung zu bringen, so  trat nach rund 15 Jahren ein hohes geistiges Bedürfnis auf: man wollte sich durch die Vorträge hervorragender Schriftsteller und
Gelehrter zu einem tieferen Wissen führen lassen. Die vielen Schriftsteller und Gelehrten, die sich in den letzten Jahrzehnten in den Orten des Würmtals niedergelassen hatten, wurden he-rangezogen, ebenso Münchner Vortragende von hohem Rang — man lese die Liste der Redner aus den Zeiten vor 1935 nach und man wird mit Staunen feststellen, einen wie hohen Stand die Darbietungen der „Literarischen Gesellschaft“ erreichten und wie viele hervorragende Persönlichkeiten von ihrem Wissen oder von ihren eigenen Schöpfungen Proben gegeben haben. Auch gelang es durch die Bemühungen des Freiherrn von Glenck, der früher an der Stuttgarter Oper tätig war, ein Kammerorchester zu bilden, das wiederholt sich mit seinen Darbietungen an Vorträge anschloß oder auch Abende für sich allein in Anspruch nahm. Infolge des ...

... Weggehens Herrn v. Glencks aus Gräfelfing hörten diese
musikalischen Darbietungen auf, und die Zeit um 1945 brachte sowieso eine Beschränkung der Tätigkeit der "Liter-arischen Gesellschaft“. Die Mitgliederzahl. nahm ab und ebenso der Besuch der von so vielen Nöten geplagten Mitglieder — eine Weile genügte der kleine Raum des Cafe Walz in Gräfelfing für die Vorträge. 
 

Aber bald zeigte sich von neuem der lebhafte Drang nach vermehrter Anregung; es kam in den‘ letzten Jahren zu ei-nem unerwartet großen Aufschwung: der Saal des „Weißen Rößl“ mußte wieder bezogen werden und er faßte oft die große Zahl der Mitglieder und Gäste kaum. Eine Lei-tung von ganz besonderer Rührigkeit wusste immer neue Anregungen zu bieten, veranstaltete für kleinere Kreise Konzerte in Privathäusern, erleichterte die Verkehrs- Möglichkeiten zu den Münchner Theateraufführungen und gründete 1949 den Musikkreis mit dem Kammerorchester und dem Chor unter Leitung von Rudolf Lamy, Philharmoni-schen Chor München. Der Musikkreis veranstaltete Konzerte mit Elly Ney und Rosl Schmidt. Der Schauspiel-kreis, Anfang 1950 gegründet, trat mit einem Gastspiel der Münchener Kammerspiele („Hinter geschlossenen Türen“) und mit der sehr gelungenen Aufführung der „Troerinnen“ von Euripides unter der Leitung von Frau Lore Bronner, München, an die Öffentlichkeit. Es ist keine Übertreibung, wenn man feststellt, daß die „Literarische Gesellschaft“ ihren Mitgliedern Ersatz für den Besuch Münchner Veran-staltungen gewährt und daß sich in Gräfelfing ein wertvoller Mittelpunkt für kulturelle Bestrebungen gebildet hat. Möge, was sich in 30 Jahren so erfolgreich gestaltet hat, auch in Zukünft sich aufwärts entwickeln!     Dr. Walter Goetz.

Test, Weisses Rössl
Organisation der LitG 1951
Organisation der LitG, Fortsetzung
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