14.03.03     Münchner Merkur

Wolfgang Pollner von der Literarischen Gesellschaft (r.) freute sich, Hans-Joachim Maaz begrüßen zu können. Foto: zs

 

Die dunkle Seite des Mutterseins

Hans-Joachim Maaz in Gräfelfing
 VON NADINE MAFKE

Gräfelfing - Eine gute Mutter zu sein, ist heutzutage keine leichte Aufgabe. Jeder versucht sein Kind so gut wie möglich zu erziehen und ihm nur das Beste zu geben, doch stoßen viele Frauen dabei an ihre Grenzen, sind in gewisser Weise hilflos gegenüber den Wünschen und Verhaltensweisen ihrer Kinder. Hans-Joachim Maaz, Psychiater, Psychoanalytiker und Chefarzt der Klinik für Psychotherapie in Halle, beschäftigte sich mit den Werten mütterlicher Fähigkeiten in unserer Gesellschaft und verfasste ein Buch zu diesem nicht nur für Frauen sehr wichtigen Thema.

Am Dienstag hielt Maaz einen Vortrag zum Thema "Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit - der Lilith Komplex“ im Gräfelfinger Bürgerhaus.

Dabei klärte er die meist weiblichen Besucher über die so genannten Frühstörungen von Kindern auf, die in den ersten Jahren der Mutter-Kind-Beziehung entstehen, und zeigte unter anderem, wie sich in vielen Ich-Störungen des Erwachsenen eine grundsätzliche Störung des Mutter-Kind-Verhältnisses widerspiegelt. "Die meisten Mütter haben heutzutage nicht genügend Zeit, ausreichend für ihre Kinder da zu sein, wodurch ein so genannter ‚Muttermangel' entsteht. Es gibt aber auch den Fall des Muttermissbrauches".

 Leben auf der Suche nach dem Versäumten

Dabei handelt es sich um die Unfähigkeit der Mutter, dem Kind ihre Grenzen zu zeigen, einmal nicht für das Kind da sein zu können", erklärt Maaz. Das Kind fühle sich dadurch belogen, sei verunsichert und beziehe den Stress der Mutter auf sich. "Die Folge ist, dass meist das Selbstwertgefühl dieser Kinder schwindet, sie sich nicht geliebt und nicht gut genug fühlen", ist sich der Psychiater sicher. Diese Menschen seien ihr Leben lang bedürftig, abhängig, und immer auf der Suche nach dem, was ihnen die Mutter nicht geben konnte.

Während sich Maaz mit diesem Thema beschäftigte, ist er auf die mythische Gestalt der Lilith gestoßen. Sie ist die dunkle, die verleugnete Schwester Evas und steht für Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Frau, sowie für den Verzicht auf eigene Kinder. „Jede Mutter hat diesen Lilith- Komplex in sich, denn auch sie hat einmal genug von ihren Kindern, doch darf sie es nicht zeigen, denn in unserer Gesellschaft gilt dies als Tabu", so Maaz. Menschen, die an solchen Frühstörungen leiden, haben es meist nicht leicht. Doch laut Maaz sollten sie versuchen, die frühen Erfahrungen emotional zu verarbeiten.

Im Anschluss an den Vortrag gab es noch zahlreiche Fragen, die teilweise zur Diskussion anregten.

.