11.10.03     Münchner Merkur

Das Warten auf Prof. Biser hat sich gelohnt Die Zuhörer., fanden den Vortrag sehr interessant

Der Friede kann nicht sein, er muss sein

Religionsphilosoph Prof. Eugen Biser stellt seine Weltsicht im Bürgerhaus Gräfelfing vor
VON CHRISTOPH KASTENBAUER

 Gräfelfing - Wolfgang Pollner, Vorsitzender der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing, sprach vor dem Hintergrund des erst kürzlich herrschenden Irak-Krieges von brisanter Aktualität, der geladene Religionsphilosoph Professor Eugen Biser gar von einem Tabubruch der Völker. "Der Friede kann nicht sein, er muss sein", forderte Biser in einem engagierten Vortrag am Dienstagabend im Bürgerhaus. "Nur der Friede rettet die Welt" war das Thema des Abends und die Betonung lag dabei vor allem auf einem Wort: "Nur".

"Wer das Begriffspaar ,Krieg und Frieden' in den Mund nimmt, der hat den Frieden bereits an den Krieg verraten." Biser, der als bedeutender Religionsphilosoph der Gegenwart gilt, forderte von dem Einzelnen, der Gesellschaft und den Völkern eine Umkehr im Denken. "Wir müssen die Gefahr ausrotten, die in den Köpfen steckt, dass nämlich auf jeden Frieden ein Krieg kommen' muss.“

Biser hatte an diesem Abend seinen Termin im Bürgerhaus verschwitzt, ließ die etwa 80 Besucher im gut gefüllten Saal eine halbe Stunde warten. Als er dann endlich kam und sprach, ließ er keinen Zweifel an seiner These zu und setzte mit wohl durchdachten Argumenten keinen Punkt hinter sein Friedensgebot, sondern drei Ausrufezeichen. "Christus ist unser Frieden. Und der Friede gehört zu den höchsten Ideen der Welt." 

Diese höchsten Ideen haben laut Biser eines gemeinsam: Sie haben keinen Gegensatz, keinen Zustand, der an dessen Stelle wirklich existiert. So ist das Böse nicht der Gegensatz zu Gut, es ist vielmehr der Zustand, des fehlenden Guten. Der Teufel ist nicht das Gegenteil von Gott, er ist ein gefallenes Abbild dessen. Und genauso wie mit dem Gottesgedanken und der Idee vom Guten verhalte es sich mit dem Frieden: "Der Krieg ist kein Gegensatz zum Frieden. Er ist der Zustand, dass es keinen Frieden gibt."

So ging Biser in seinem Vortrag über das im Christentum postulierte Friedensgebot noch hinaus. "Die Bewahrung des Friedens muss imperativisch sein. " Ein Friedensbefehl sozusagen, als einzige Alternative für eine gerechte und lebensfähige Welt.