Dienstag,
06. November 201
8
20 Uhr

 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Prof. Dr.

Stephan Lessenich

Soziologe

Engagiert sich vielfältig
an der Schnittstelle
von Wissenschaft und Politik


Foto: (c)  Götz Schleser

Neben uns
die Sintflut

Wie die reichen Länder
auf Kosten der
armen Länder leben


"Im Grunde wissen wir es alle: Uns im Westen geht es gut, weil es den meisten Menschen anderswo schlecht geht. Wir lagern Armut und Ungerechtigkeit aus, im kleinen wie im großen Maßstab."

Beispiel:  Avocados
Fauler Zauber einer Diva

Wenn es einen Superstar unter den Superfrüchten gibt, dann die Avocado. Weniger super ist: Wo sie angebaut wird, verwandelt sich das Land in Wüsten. Avocados verbrauchen viel Wasser schreibt Boris Herrmann in seinem SZ-Artikel "Zur Sache, Schätzchen" vom 13./14. Oktober 2018. Ganze Landesteile vertrocknen in Peru; etwas nördlicher, in Mexiko, gibt es sogar blutige Kämpfe über das "grüne Gold".

Presseartikel

 

Stephan Lessenich konfrontiert uns mit einem hochbrisanten Thema, das uns angesichts des weltweiten Flüchtlingsdramas nicht kalt lassen sollte. Er sagt:
Alles zu haben und noch mehr zu wollen, den eigenen Wohlstand zu wahren, indem man ihn anderen vorenthält – das ist das heimliche Lebensmotto der entwickelten Gesellschaften.


Den Menschen in den reichen Ländern geht es auch deswegen so gut, weil es den Menschen in anderen Weltregionen schlecht geht. Wir wälzen soziale Kosten und ökologische Lasten unserer Lebensweise auf Dritte ab, lagern sie aus. Das heißt: Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, wir leben über die Verhältnisse anderer. Gern verdrängen wir unseren Anteil an dieser Praxis.

In seinem Vortrag thematisiert der renommierte Soziologe Stephan Lessenich Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse der globalisierten Wirtschaft, deren Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen. Unser Leben wird sich ändern – ob wir wollen oder nicht.

Stephan Lessenich stammt aus Stuttgart. Er studierte in den Jahren 1983 bis 1989 in Marburg Politikwissenschaft, Soziologie sowie Geschichte, arbeitete zehn Jahre an der Universität Göttingen und wurde 2004 Professor für Soziologie an dem als alternativer Think Tank funktionierenden Soziologie-Institut  der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er lehrt seit 2014 an der Universität München und ist Lehrstuhlinhaber des Instituts für Soziologie. Ein wesentliches Arbeitsgebiet dort ist die Politische Soziologie sozialer Ungleichheit.

Zwischen 2013 und 2017 war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.  Sein Buch „Neben uns die Sintflut“ erschien 2016 zuerst beim Hanser Verlag Berlin und im Juli 2018 umfassend aktualisiert und überarbeitet auch als Taschenbuch im Piper Verlag.
 


Wenn einer gewinnt, verlieren andere. Jeder von uns ist ein verantwortlicher Akteur in diesem Nullsummenspiel, dessen Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen.



„Wir leben gut, weil andere schlechter leben. Wir leben gut, weil wir von anderen leben – von dem, was andere leisten und erleiden, tun und erdulden, tragen und ertragen müssen. Das ist die internationale Arbeitsteilung, … “


Foto: (c)  literarische gesellschaft


Frankfurter Allgemeine 6.10.16: Unser Umgang mit Flüchtlingen - Die Welt zu Gast bei Fremden -

Deutschlandfunk 5.11.17 - " ...der letzte Impuls für das Buch ["Neben uns die Sintflut"] war tatsächlich dann die Erfahrung seit 2015 mit der Zunahme von Flüchtenden, die Zuflucht suchen in Europa, also erstens das schiere Ausmaß des Problems – in Anführungszeichen –, und dann auch die Reaktionsweisen vor allem auch darauf, also wie reagiert eine – muss man ja jetzt doch sagen – reiche Gesellschaft darauf, dass in einer bestimmten Phase sehr viele Menschen Eingang verlangen zu diesem Wohlstandsraum."

Petra Kelly Stiftung
25.10.17: "Eine Zeitlang wird das System noch funktionieren. Als Reaktion auf die Fluchtbewegungen ergreifen wir stärkere, effektive Maßnahmen zur Abschottung. Wir schieben ab, wir hebeln das Asylrecht aus. Je schwieriger die Lebensverhältnisse im globalen Süden werden, desto massiver werden diese Menschen versuchen, hier Zuflucht zu suchen. Wenn sich am globalen System nichts ändern wird und Menschen nicht die Chance bekommen, in ihren Ländern zu überleben, werden die Fluchtbewegungen zunehmen und auch gewaltsamer werden. Wir müssen aber auch die soziale Ungleichheit im eigenen Land bekämpfen."

ttt:
8.7.18
Reden zum Beispiel darüber, dass längst viel weniger Menschen an unseren Grenzen ankommen: "Es wird ja an allen Stellen behauptet, Belastungsgrenzen wären erreicht, wir wären an der Grenze, wo jede weitere Zuwanderung hier das gesellschaftliche Leben zum kollabieren bringen könnte. Diese Gesellschaft ist auf LSD gerade, ist eine Selbstsuggestion", so Lessenich.

SZ


Quelle: pixabay CC0

Wikipedia: Von Irish Defence Forces


Migration und transnationale Solidarität ?
Wir Europäer verteidigen unseren Wohlstand auf Kosten des globalen Südens. Wie kann so Zusammenhalt entstehen? Dass die gesellschaftliche Auseinandersetzung rund um das Thema Migration inzwischen großen Raum einnimmt, darin erkennt der Soziologe Lessenich auch Positives: „Was wir seit der ‚Willkommenskultur‘ 2015 in München erleben, ist eine ganz offensive Verhandlung über die Grenzen der Solidarität in diesem Lande, was im Grunde genommen auch gut ist. Diese vermeintliche Krise, die eigentlich eine Krise der europäischen Solidarität und des Füreinander-Einstehens in Europa ist, hat auch etwas Gutes: Wir verhandeln gegenwärtig über die Grundlagen unseres Gemeinwesens“.
(Auszug aus einem Gespräch in Deutschlandfunk Kultur 5.8.2018)
SZ vom 21.10.16: Interview: Wer für unseren Konsum zahlt -  
"Flucht und Migration werden uns weiter beschäftigen" -


Wikipedia - Von Efly - Eigenes Werk, CC0


Vortrag am 25.04.2017 in der Evangelischen Stadtakademie München im Rahmen des Münchner Forum Nachhaltigkeit - Vortrag am 21.5.2017 in Freiburg - Vortrag 25.10.2017 in der Petra Kelly Stiftung in Bamberg   - Zeit online Oktober 2016 - ... Lessenich achtet auf Nebenwirkungen des westlichen Wohlstands und sieht die "dunklen Seiten der westlichen Moderne": die Hightech-Landwirtschaft in Europa, die vom zerstörerischen Sojaanbau in Argentinien lebt; die Abholzung der Mangrovenwälder Thailands, um unseren Hunger auf Shrimps zu stillen; den Sandimport für die Bau- oder Fracking-Industrien, der in Afrika die Küsten erodieren lässt; den Plastikmüllstrudel im Nordpazifik. Der globale Süden liefert den Rohstoff für das Wachstum im Norden, und er dient als Senke für unsere Abfälle. ...  milieu: Rezension -
 


Titel bei Hanser:
"
Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft  und ihr Preis"

"Externalisierungsgesellschaften“, ein Begriff, mit dem Lessenich das Phänomen beschreibt, dass eigene Probleme in ausbeuterischer Weise auf andere Menschen, Regionen und Staaten verlagert werden. Dort finde man, so Lessenich, billige Hilfskräfte für Haushalt, Kindererziehung und Pflege sowie günstige Lieferanten für unsere Konsumgüter.


"
Externalisierungsgesellschaft - das ist einerseits eine Zeitdiagnose, die aber weiter zurückgreift. Die moderne kapitalistische Gesellschaft beruht seit 500 Jahren darauf, dass sie die Kosten ihrer Produktions-, Arbeits- und Lebensweise in andere Weltgegenden auslagert. Gegenwärtig leben wir andererseits in einer Situation, in der das auf uns zurückschlägt. Den Preis für die Externalisierung haben sehr lange fast ausschließlich Dritte bezahlt. Es könnte sein, dass wir zukünftig stärker zur Kasse gebeten werden." (SZ)
 

"Dieses Buch würde man manchmal am liebsten in die Ecke feuern, denn der Soziologe Stephan Lessenich konfrontiert einen mit Tatsachen, die man gern verdrängt, weil man sein Leben ändern oder wenigstens ein schlechtes Gewissen haben müsste, wenn man es nicht täte."
Susanne Lenz, Berliner Zeitung, 14.12.16
 


Bildschirmkopie medico international 2018


Stephan Lessenich

Persönliche Homepage - Profil LMU Institut für Soziologie - Wikipedia - alpha Forum -
Hanser Literaturverlage - Titel bei Piper und Leseprobe - Perlentaucher
jetzt:
Es geht uns zu gut   "Das Wissen um extreme Ungleichheiten – dass andere kein Trinkwasser haben, während wir unseren nächsten Urlaub planen –, das haben alle. Dass diese Schieflage nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wissen sicher 90 Prozent. Den direkten Zusammenhang – dass es uns gut geht, weil es anderen schlecht geht – würden viele ablehnen."

Stephan Lessenich ist u.a. Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialreform und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac. Im Juni 2017 war er an der Gründung der Partei mut beteiligt, wurde einer ihrer Gründungsvorsitzenden und war mit Claudia Stamm einer der Spitzenkandidaten der Partei bei der Landtagswahl in Bayern 2018. - Hallo München: Steckbrief -

  Systemzwang und Akteurswissen: Theorie und Empirie von Autonomiegewinnen https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/41a4eM9xU4L._AC_US218_.jpg



"
Bestenfalls reisen wir mal dahin, sehen uns das an, und denken: Wie schrecklich! In welchem Elend die Leute leben! Und dann fahren wir wieder nach Hause." Quelle

Immigrants: Mr. Trump 16.05.2018:
"
“We have people coming into the country, or trying to come in — and we’re stopping a lot of them — but we’re taking people out of the country.
You wouldn’t believe how bad these people are. These aren’t people. These are animals."


Und wo bleibt das Positive ?

Was helfen könnte, ... Politik. Aber die setzt einstweilen auf effektivere Grenzsicherung.
Quelle