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ienstag, 28.03.17
 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Willi Winkler


Foto: SWR lesenswert - ARD Mediathek

Luther –
ein deutscher Rebell


 

 


An Martin Luther kommt im Luther- und Reformations-Jahr 2017 wohl niemand vorbei. Eine der wichtigsten neuen Biografien stammt von Willi Winkler, dessen große Artikel regelmäßig in der „Süddeutschen“ zu lesen sind.

Winkler zeichnet ein Porträt des Mannes, der das Mittelalter beendete. „Allein in der Berufung auf sein Gewissen stürzte Luther eine Welt um, wie es sonst nur Kopernikus gelang.“ Als Luther sich 1517 in Wittenberg gegen die Ablass-Praxis wandte, ging es ihm nicht um Umsturz, sondern um das Recht der Gläubigen, für sich den Weg zu Gott zu finden. Aus einem rein theologischen Disput wurde am Ende eine Revolution, die einzige, die es in Deutschland je geben sollte.


Willi Winkler,
Schriftsteller, Übersetzer, Journalist, Literaturkritiker, Sachbuchautor.

Geboren 1957 in einem kleinen Dorf im westlichen Landkreis Dachau, er hat in München und St. Louis studiert und wichtige amerikanische Autoren ins Deutsche übersetzt (u.a. John Updike, Julian Barnes, Anthony Burgess, Saul Bellow). Er war Redakteur der ZEIT und Kulturchef beim SPIEGEL. Heute schreibt er als freier Journalist für die „Süddeutsche Zeitung“. Winkler lebt in Hamburg.
 

Seine große Luther-Biografie erschien im Sommer 2016.


„Willi Winkler ist einer unserer bösesten und einer unserer zärtlichsten Schreiber. Kurz: Er ist ein phantastischer Erzähler.“ (Claudius Seidl über den Kollegen Winkler)


Martin Luther ist eine einzigartige Figur in der europäischen Geschichte. Ohne ihn wäre die Welt ärmer und auf jeden Fall eine andere – meint Willi Winkler.



Umschlagabbildung: Lucas Cranach d.Ä.:
Luther als Junker Jörg, um 1522. Holzschnitt

«Allein in der Berufung auf sein Gewissen stürzte Martin Luther eine Welt um, wie es sonst nur Kopernikus gelang.»'

"Bestimmt hat Luther nicht die Donnerworte gesprochen, die ihm die Überlieferung gern zuschreibt: «Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.» "



Martin Luther
(* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18. Februar 1546 ebenda)

(Lukas Cranach der Ältere. 1529) - s.a. Luther-Bildnisse - Lutheriden

Er war der größte Rebell, den die deutsche Geschichte aufzuweisen hat – und wollte doch nichts weniger sein. Martin Luther hat mit den sagenhaften Hammerschlägen, mit denen er seine 95 Thesen an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, das Mittelalter beendet und ein neues Zeitalter begründet: das, in dem wir heute leben.

Die von Luther angestoßene Reformation wirkte wie ein ungeheurer Modernisierungsschub auf Kunst und Alltagsleben, Literatur, Wissenschaft und Publizistik. Luthers Bibelübersetzung ist der Grundtext für das heutige Deutsch. Vor allem aber gab der entlaufene Augustinermönch den Deutschen zum ersten Mal einen Begriff von der Individualität des Menschen: Du allein verfügst über dich, nicht der Kaiser, nicht der Papst, niemand außer Gott. Luther ist eine einzigartige Figur in der europäischen Geschichte. Ohne ihn wäre die Welt ärmer – auf jeden Fall eine andere.

Willi Winkler geht es darum, den ganzen Luther in den Blick zu nehmen, ihn als den Mann zu zeigen, der seine Welt vom Kopf auf die Füße gestellt hat, vor dem Hintergrund des aufregenden 16. Jahrhunderts, in dem die Neuzeit beginnt.

Eine große Biographie, die alle Anlagen zum Klassiker hat.   (Verlagstext)
 


Zitate aus Rezensionen:

Literaturkritik, Manfred Orlick: Der größte Rebell, den die deutsche Geschichte aufzuweisen hat - Eine bemerkenswerte und streitbare Luther-Biografie von Willi Winkler
Welt / N24: Alan Posener: "Gejubelt wird viel in Vorbereitung auf das Lutherjahr, der Journalist Willi Winkler mag da nicht mitmachen. Seine Biografie zeichnet den Reformator als konservativen, untergangsfixierten Revolutionär. ... Zeit, Luther von seinem Sockel zu heben."
Frankfurter Allgemeine: Interview: "Ich bin der klassische entlaufene Katholik. Ich war im katholischen Internat bei den Benediktinern. Ich weiß nicht einmal, ob wir ihn [Luther] in Geschichte durchgenommen haben. ... Der Ablass war eine gute Idee. ... Luther hat dieses parallel zum Kapitalismus entstehende System nicht begriffen: wie nützlich es ist und letztlich dem Seelenfrieden dient. Dass es ein abgefeimtes Schurkenspiel war, das wissen wir in all unserer Schlauheit natürlich."
Deutschlandfunk: Interview:
Ohne seine Impulse hätte auch die katholische Kirche nicht überlebt, sie "wäre in den Abgrund gesunken in ihrer Korruptheit", so Winkler im Deutschlandfunk.
Deutschlandradio Kultur: Interview: "Ohne Luther würde es die katholische Kirche heute nicht mehr geben."
Badische Zeitung,:
Winkler lässt in lockerer, lebendiger Sprache die Lebenswelt Luthers auferstehen, die ihn prägte und ihn zu dem Rebellen werden ließ, der das Mittelalter beendete. ... flott geschrieben, manchmal verwirrt Winkler die Leser aber mit allzu vielen Namen und Details.
Der Tagesspiegel: Um seine Revolution zu verstetigen und zu dauerhaftem Erfolg zu führen, musste Luther allerdings Verrat an seiner eigenen Sache begehen, meint Winkler. Als die Bauern seine Worte von der Freiheit des Christenmenschen wörtlich nahmen und gegen die Leibeigenschaft rebellierten, „kannte Luther Luther nicht mehr“.
Geschichte-Wissen; Blog; Winkler legt mit seinem Werk nicht nur eine Biographie über Martin Luther vor – vielmehr ist ihm eine Studie der damaligen Zeit gelungen. ... Die Menschen des 16. Jahrhunderts waren getrieben von einer immensen Todesangst – der strafende Gott sah für die Sünden schreckliche Sühne vor. ... Die Kirche wusste diese Furcht in bare Münze zu verwandeln: Mit einem immer umfassenderen Ablasssystem gewährte es Erlösung gegen die Hingabe von Geld- und Sachwerten.. ... Kern von Winklers Biographie dürfte aber die Wertung sein, dass Luther keineswegs die Kirche spalten wollte – vielmehr war er ein konservativer Reformer, der mit seiner Kritik und seinen 95 Thesen ein Umdenken in der Amtskirche erzwingen wollte.



"Hans Holbein der Jüngere huldigt Luther in einer Karikatur als «Hercules Germanicus», die Leichen seiner erschlagenen Feinde vor sich; von der Nase baumelt ihm ein gefesselter Papst."

Bayern 2: Luther, für Winkler einer der größten Umstürzler, den die Welt je gesehen habe, ebenso ein "weltuntergangssüchtiger Katastrophiker" und – auch das – ein "konservativer Revolutionär".
SR 2 KulturRadio: Interview: "Luther war ein schrecklich und wunderbar Mensch zugleich"
Radio Bremen, Glauben und Wissen: Interview
Universitäts Bibliothek Leipzig: Willi Winklers Sicht auf Luther: ein politischer, selbstbewusster und religiöser Querkopf, der vor Kaiser und Papst keine Angst hat. Luther verkörpert daher das moderne Individuum einzigartig und prominent.
RP-online: "Ob er sich in seinem Denken je aus dem Mittelalter entfernt hat, darf man bezweifeln", so Winkler im Gespräch mit unserer Redaktion. "Von der weiteren Entwicklung aber, von dem, was er angerichtet hatte, wurde er überrollt. Luther hat aber sehr schnell begriffen, wie sich die allgemeine Empörung im Kampf gegen Rom und für den Glauben nutzen ließ. Insofern war er seiner Zeit weit voraus."
Südwest-Presse: eines der gewichtigen neuen Luther-Bücher. Die Theologie spielt darin nicht wirklich eine große Rolle, was man beklagen kann; auch widmet der Autor dem Antisemitismus Luthers, dessen chronischer „Judenfeindschaft“, seinen Hasstiraden, nur ein paar Seiten – was bedauerlich ist, auch wenn Luther halt nur ein Kind seiner Zeit gewesen sein mag. ... aber er bringt –  vorzüglich geschrieben – die Geschichte klug und pointiert auf den Punkt.
 



Willi Winkler, Katholik und Literaturkritiker

Willi Winkler.  Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet. 1998 erhielt Willi Winkler den Ben-Witter-Preis, 2010 den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus, 2012 den Journalistenpreis des Deutschen Anglistenverbandes, 2013 den Michael-Althen-Preis.  Sonia Seymour Mikich nannte ihn in ihrer Laudatio 2010 einen Renaissance Man, einen, der auf vielen Feldern der Kultur und Wissenschaft sich Expertise erwirbt und zu einer eigenen Philosophie zu verweben versteht. Und einen Sprachkünstler und Widerspruchsgeist, der "unseren Berufsstand glänzen lässt".
 
Wikipedia -
br-alpha: Willi Winkler im Gespräch mit Corinna Spies -  Interview in LeseZeichen, BR 2015  - Rowohlt - SZ - SWR1 - Leute - SWR- lesenswert - Hessenschau: Buchmesse 2016 Zeit-online - Deutschlandradio Kultur - Perlentaucher -



"Ich, Martinus Luther, war dazu ausersehen, den Papst zu stürzen"

Corinna Spies: Willi Winkler, ein scharffedriger Schreiber, der thematisch weit wandert.

 

Winkler hat Bücher u. a. über die Rolling Stones, Karl Philipp Moritz, Bob Dylan, die Passion Kino, François Genoud und die RAF geschrieben
 

Bildschirmkopie aus ARD Mediathek, Quelle  SWR Fernsehen "lesenswert" Interview mit Denis Scheck

 
"Lutherus, studio pietatis ardens, edidit Propositiones de Indulgentiis, quae in primo Tomo monumentorum eius extant,
et has publice Templo, quod Arci Vuiteberdensi contiguum est, affixit pridie festi omnium Sanctorum, Anno 1517."

Philipp Melanchthon zufolge soll Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben.

Willi Winklers Schlusspointe:
Ohne Luther würde es die katholische Kirche heute nicht mehr geben.

 "Papst Franziskus sollte Luther den schuldigen Dank abstatten und ihn am 31. Oktober 2017 zur Ehre der Altäre erheben."
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