Mittwoch
, 23.November
 

 Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


R
ichard Strauss Alfred Kerr




Richard Strauss
(1864-1949)
Gemälde von Max Liebermann, 1918

"Krämerspiegel"
Zwölf Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, op.66

Musikalische Satiren
über Kunst und Kommerz


In Zusammen
arbeit mit den Gräfelfinger Gelegenheitschreibern (GRÄGS) e.V.


 

Presseartikel

 

GEMA darf nicht automatisch Geld an Musikverlage ausschütten
Kammergericht Berlin, 24. Zivilsenat,
Urteil vom 14. November 2016
Aktenzeichen 24 U 96/14

 

 

 

Mit Prof. Dr. Hartmut Schick, Inhaber des Lehrstuhls für Musikwissenschaft an der LMU,
Fredrik Ahnsjö, Tenor und Erwin Stein, Klavier.


Richard Strauss stritt seit Jahren mit Bote & Bock, einem der damals bedeutendsten und mächtigsten Musikverlage. Es ging um sechs Lieder, die der Komponist laut Vertrag noch zu liefern hatte, dies aber nicht tat, u.a. vor dem Hintergrund seines Kampfes mit einigen großen Musikverlagen für ein besseres Urheberrecht.

1918 bat Strauss Alfred Kerr, den mit ihm befreundeten berühmten Berliner Theaterkritiker, Publizist und
Lyriker, der bekanntlich ziemlich sarkastisch und bissig sein konnte, um Texte als Vorlagen für Liedkompositionen, die vor allem eins sein sollten: „garantiert weder publizier- noch aufführbar“. Damit sollten Musikverleger "als eine blutsaugerisch die Komponisten ausbeutende Zunft" verspottet werden. Kerr lieferte zwölf scharfzüngige, unzweideutige Spott- und Hohngedichte. Strauss vertonte die Lieder in allerbester Manier, wobei er seinerseits ironisch und teilweise parodistisch eigene und andere Kompositionen zitierte, und schickte sie dem Verlag. Bote & Bock sah darin allerdings keine Vertragserfüllung sondern wies die Lieder indigniert zurück.

Mehr, vor allem zum Musikteil - mit Beispielen - aber auch über das musikalische Urheberrecht und die Ursprünge der GEMA, war von Hartmut Schick zu erfahren. Danach führten Fredrik Ahnsjö und Erwin Stein, beide schon früher Gäste der „Literarischen Gesellschaft“, den musikalisch hoch virtuosen Zyklus auf.

Eine Kombination von wissenschaftlichem Vortrag und sehr anspruchsvollem Konzert, die gleichermaßen sinnlichen wie intellektuellen Kunstgenuss versprechen.


Fredrik Ahnsjö wurde 1971 in Stockholm geboren, erhielt Gesangsunterricht von den Eltern (beide bekannte Sänger), hat Germanistik und Musikwissenschaft studiert, ist Lektor an der Universität Augsburg und als lyrischer Tenor erfolgreich als Opern- Konzert- und Liedsänger tätig.

Erwin Stein,
1954 geboren in Michelstadt, hat Klavier u.a. bei Werner Hoppstock in Darmstadt und Ludwig Hoffmann in München studiert, ist Dozent an der Münchner Musikhochschule und lebt seit vielen Jahren in Gräfelfing.

Hartmut Schick,
geboren 1960 in Herrenberg,
hat an der Universität Tübingen gelehrt und ist seit 2001 o. Professor für Musikwissenschaft an der Universität München und dort  seit 2011 Leiter der Forschungsstelle „Richard-Strauss-Gesamtausgabe“.
 

 
„Ein Racheakt
aus Text und Tönen“
 
(SWR)


          



Alfred Kerr
(1867-1948)
porträtiert von Lovis Corinth (1907)

Liedtexte
des ursprünglich „Die Händler und die Kunst“ genannten Zyklus, in dem sich Strauss und Kerr mit galligem Humor als Vorkämpfer für ein besseres Urheberrecht zeigen und den Musikverlegern den Kampf ansagen. Eine witzige, ironisch-beißende und virtuose Abrechnung.

Kerr: „Die Verschen sind für Sie und die gute Sache gern geschrieben worden – ich will dafür kein Honorar.“

" ..bezaubernde Musik, [ ... ] neckend, holdselig, überraschungsvoll und sehr dramatisch"
Noten


"Von Händlern wird die Kunst bedroht, Da habt ihr die Bescherung. Sie bringen der Musik den Tod, Sich selber die Verklärung." (Nr.8)

Es geht nicht nur um Spott und Satire, sondern mehr noch um eine in Musik gesetzte Gegenüberstellung von Künstlertum und verlegerischen Geschäftsinteressen


Die meisten Texte, die Kerr für Strauss geschrieben hat, bestehen aus Sprachspielen mit Namen. Der Verleger in Berlin hieß Hugo Bock. Sein Name wird in Kerrs erstem Gedicht  zum Anlass für ein grausames Bild - ein Ziegenbock vergreift sich an einem Blumenstock und frisst schmatzend, voll 'Schmausegier' sämtliche Blüten ab. Das Klavier begleitet das mit einer seltsamen, ostinaten Mahl-Figur. Wir hören: den mahlenden Unterkiefer des Bocks, der die Blumen frisst.


Es war einmal ein Bock, ein Bock,
Der fraß an einem Blumenstock, der Bock.
Musik, du lichte Blumenzier,
Wie schmatzt der Bock voll Schmausegier!
Er möchte gar vermessen
Die Blüten alle, alle fressen.
Du liebe Blüte wehre dich,
Du Bock und Gierschlung, schere dich!
Schere dich, du Bock!


Kaltnadelradierung: Michel Fingesten, 1921

Nr.1: Es war einmal ein Bock Nr.2: Einst kam der Bock als Bote Nr.3: Es liebte einst ein Hase
Nr.4: Drei Masken sah ich am Himmel stehn Nr.5: Hast du ein Tongedicht vollbracht Nr.6: O lieber Künstler sei ermahnt
Nr.7: Unser Feind ist, großer Gott Nr.8: Von Händlern wird die Kunst bedroht Nr.9: Es war mal eine Wanze
Nr.10: Die Künstler sind die Schöpfer Nr.11: Die Händler und die Macher Nr.12: O Schröpferschwarm, o Händlerkreis


Prof. Dr. Hartmut Schick
Foto. Richard-Strauss-
Festival

Vita - Publikationen -
Funktionen


Erwin Stein
Foto. Literarische Gesellschaft




Fredrik Ahnsjö
(Bild: pi)

Fredik Ahnsjö übernahm in der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing im Oktober 2013 unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Brandl den Tenorpart und damit die Rolle des Erzählers in dem musikalischen Märchen "Der Rose Pilgerfahrt" von Robert Schumann.


Prof. Hartmut Schick
studierte Musikwissenschaft, Geschichte und Philosophie, ist Projektleiter des Langzeit-Forschungsprojekts Kritische Ausgabe der Werke von Richard Strauss bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in Kooperation mit dem Richard- Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen. Schick ist auch Mitglied im Vorstand der Richard-Strauss-Gesellschaft e.V. und ergänzt immer wieder das musikalische Programm von Symposien, Vortragsabenden oder Richard Strauss-Festivals mit musikwissenschaftlichen Erkenntnissen und Hintergrundwissen.


Erwin Stein
erhielt 1986 den 1. Preis beim Intern. Klavierwettbewerb Palma D'Oro in Finale Ligure, war offizieller Begleiter der Intern. Meisterkurse von Max Rostal und Dmitry Sitkovetsky, gab Solokonzerte u.a. in Berlin und Wien und Kammerkonzerte mit Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters und der Münchner Philharmoniker. Mitglied des Ambrosius Klaviertrio und des Ambrosius Horntrio.  Er spielte in der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing im September 2010 bei der Lesung von Alissa Walser "Am Anfang war die Nacht Musik" Stücke von Paradis, Haydn und Mozart, umrahmte im November 2011 einen Vortrag des Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Michael Stegemann mit Werken Franz Liszts, gestaltete im Oktober 2013 den großen Klavierpart von "Der Rose Pilgerfahrt" von Robert Schumann und im März 2014 das Melodram "Enoch Arden" von Richard Strauss.

        
"Krämerspiegel. Zwölf Gesänge von Alfred Kerr für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, komponiert von Richard Strauss"
mit Illustrationen von Michel Fingesten

Das gedruckte Werk Krämerspiegel ist ein seltenes Beispiel für die gelungene, kongeniale Zusammenarbeit von kreativen Geistern der unterschiedlichsten Richtungen

 Jahr der Erstveröffentlichung 1921 – Berlin: Paul Cassirer in einem Privatdruck von 120 jeweils handsignierten Exemplaren (Quellen: kedem-auctions.com und liveauctionneers.com. 2012)
Private Erstaufführung wohl erst im. November 1925 im Hotel Kaiserhof in Berlin.


"Ausfluß einer Künstlerlaune"

0 Schröpferschwarm, o Händlerkreis, wer setzt dir einen Riegel? Das tat mit neuer Schelmenweis' Till Eulenspiegel. (Nr.12)
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