Mittwoch, 16. November
 

Gemeindebücherei
im Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz
  

In Zusammenarbeit mit der


Agnieszka
Kowaluk



Foto: privat

Du bist so deutsch!
Mein Leben in einem Land,
das seine Tugenden
nicht mag

 
A
gnieszka Kowaluk, die in München lebende Polin, bekommt es immer wieder zu hören: „Du bist so deutsch!“
(„Jesteś taki niemiecki“) von ihren polnischen Landsleuten, doch auch von Deutschen, wobei nicht immer klar ist, ob das als Kompliment oder als Vorwurf gemeint ist.

Auslöser sind etwa auffällige Pünktlichkeit, Talent zur Ordnung, Reiselust, ein Hang zu bürgerlicher Behaglichkeit oder die Liebe zu Dichtern und Denkern. Was ist typisch deutsche Befindlichkeit, was ist hier eigentlich wirklich anders als anderswo? Entsprechen die Deutschen dem Bild, das man sich von ihnen macht?

Einfühlsam und mit viel Humor beschreibt sie in ihrem Buch (2014), wie sie ihre Wahlheimat Deutschland seit vielen Jahren erlebt. Sie hält uns Deutschen den Spiegel vor, und das ist ein Glücksfall für unsere Selbsterkenntnis und unseren Umgang mit Fremden.

Agnieszka Kowaluk ist Übersetzerin deutsch-sprachiger Literatur, Autorin und Deutschlehrerin. Sie wurde in Siedlce, einer Stadt 100 km östlich von Warschau geboren. Sie wuchs in Polen auf, interessierte sich schon früh für die deutsche Sprache, studierte später Germanistik in Warschau und Bonn und blieb nach dem Studium in Deutschland.  Sie übersetzt u.a. Bücher von Wolfgang Herrndorf, Elfriede Jelinek, Hans Ulrich Treichel, Andreas Steinhöfel und Marlene Streeruwitz ins Polnische, arbeitet zudem als freie Journalistin für polnische und deutsche Medien (z. B. Süddeutsche Zeitung). Mit „Gut gepolt!“ hat sie eine Münchner Reihe initiiert, in der seit einigen Jahren polnische Autoren präsentiert werden. Agnieszka Kowaluk lebt mit ihrer Familie in München.

 






 Ein Stapel schreiend bunter Handtücher - Symbol der Deutschen im Ausland - in den Nationalfarben Deutschlands und Polens

So liebevoll, so ernst, so humorig, so genau kann nur eine Migrantin Deutschland sehen.


"'
Du bist so deutsch!'
- rief mir von Jahren meine Mitbewohnerin, eine Mazedonierin, zu, als ich am kleinen Fenster unserer studentischen Wohngemeinschaftsküche mein blasses Gesicht in die Märzsonne hielt. Es konnte kaum Ausdruck ihrer Anerkennung für meine gelungene Integration oder gar Assimilation sein, denn es war meine erste Woche in Deutschland. Es klang eher wie die entsetzte Enttäuschung darüber, dass ein panslawisches, Ex-Ostblockländer-Bündnis mit mir wohl nicht möglich sein. Mit meinem mitteleuropäischen ewigen Hunger nach Sonne war ich zu ihrem Verdruss wie alle Deutschen um uns herum."
 

Wer lange im Ausland lebt, wird seiner Heimat fremd. Wo gehört er hin? Oder: Wird etwas Neues, Eigenständiges daraus, wenn verschiedene Kulturen auf einen abfärben? Agnieszka Kowaluk wuchs in Polen auf, interessierte sich aber schon früh für die deutsche Sprache und Kultur und ließ sich später in Deutschland nieder. Die Deutschen sehen in ihr oft die Polin, in Polen ist sie inzwischen eher eine Deutsche. Und erst recht ihre Tochter, die zwar Polnisch spricht und sich den polnischen Verwandten zugehörig fühlt, aber sich doch an der deutschen Peer Group orientiert. Das Einordnen wird schwieriger, die Identität gewinnt viele Facetten, das Leben mit verschiedenen Horizonten macht das Leben aber auch reicher.  (Quelle: Randomhouse)

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Sind die Polen pünktlich und die Deutschen lässig? Wer kauft ein Ei und wer dreißig? Wessen Wald ist schöner? Wer erfand die gute Kinderstube und wer das Wort Grenze? Ist Reiselust gleichbedeutend mit Weltoffenheit? „Du bist so deutsch!“ ist Feldforschung zum deutschen Leben einer Polin und zum Ausländerdasein als Form einer genauen Beobachtung. Eine Einladung zum Kennenlernen.
Denn, wie Karl Valentin sagte: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“.
(Quelle: Muffatwerk)
 

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Klischee 1:
Die Deutschen ernähren sich von Bratwurst, Sauerkraut, Bier und Kartoffeln.

Klischee 2:
Die Deutschen sind kalt, unfreundlich und rücksichtslos.

Klischee 3:
 Die Deutschen sind außerdem humorlos und steif.

„Wenn der Deutsche hinfällt, dann steht er nicht auf, sondern schaut, wer schadenersatzpflichtig ist“, spottet Tucholsky.

 
Sind Sie typisch deutsch ?

Die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen - die Mülltrennung
  


Hier lebende Ausländer scheinen eine bessere Meinung über die Deutschen zu haben als wir über uns selbst – und selbst dafür gibt es Lob: „Das mögen wir ja an den Deutschen, dass sie kritisch mit sich sind. Diese Vorsicht, die sicher auch aus ihrer Geschichte herrührt“, sagt Agnieszka Kowaluk. Dazu passt der Untertitel ihres Buches: „Mein Leben in einem Land, das seine Tugenden nicht mag“.



Klischee 4:
Die Deutschen sind fleißig, sparsam und effektiv.

Klischee 5:
Die Deutschen lieben Ordnung und halten sich an Regeln.

(Quelle: Berliner Akzente und Travelbook)


Mark Twain:
Die Schrecken der deutschen Sprache

„Früher oder später sieht sich jeder Ausländer mit der deutschen Ordnungsliebe konfrontiert. Schon die bunten Felder, die man beim Anflug auf den deutschen Flughafen erblickt, sehen anders aus als in anderen Gegenden der Welt – sogar die Landschaft ist in Deutschland ordentlicher“, schreibt Agnieszka Kowaluk, die in Polen geboren wurde, aber seit vielen Jahren in Deutschland lebt. „Gleichzeitig fällt einem Besucher umso mehr auf, wenn in Deutschland etwas nicht so funktioniert wie gewohnt. Eine kaputte Rolltreppe, eine ausgefallene Straßenbahn oder ein verspäteter ICE rütteln den strukturierten Alltag mächtig durcheinander, setzen aber ungewohnte Kräfte frei und geben einem das Gefühl, ein Survivor im Zivilisationsdschungel zu sein“, so die Journalistin und Übersetzerin in ihrem Buch „Du bist so Deutsch“. – Quelle: http://www.express.de/23586916 ©2016
                         Typisch deutsch
Pünktlichkeit - Ordnung - Sauberkeit - Kompromisse finden - Pragmatisch sein - Durchhaltevermögen - Regionale Vielfalt - Soziale Marktwirtschaft - Naturverbundenheit - öffentliches Schulsystem - Gemütlichkeit - Bürgerlichkeit - Den Müll trennen - Standhaft bleiben - Skat - Loriot - Currywurst - Handwerk - Apfelsaftschorle - Spargel - Weihnachtsmarkt - Dackel - Strandkorb - Ampelmännchen - Liegen reservieren - FKK - Winnetou - Steiff-Tiere - Vereine ...

                                   Deutsche Sprache: ganz einfach:

Essen:

Der Weizen

Das Korn

Trinken:

Das Weizen

Der Korn

Agnieszka Kowaluk: „Früher oder später sieht sich jeder Ausländer mit der deutschen Ordnungsliebe konfrontiert. Schon die bunten Felder, die man beim Anflug auf den deutschen Flughafen erblickt, sehen anders aus als in anderen Gegenden der Welt – sogar die Landschaft ist in Deutschland ordentlicher .... Gleichzeitig fällt einem Besucher umso mehr auf, wenn in Deutschland etwas nicht so funktioniert wie gewohnt. Eine kaputte Rolltreppe, eine ausgefallene Straßenbahn oder ein verspäteter ICE rütteln den strukturierten Alltag mächtig durcheinander, setzen aber ungewohnte Kräfte frei und geben einem das Gefühl, ein Survivor im Zivilisationsdschungel zu sein“, – Quelle: http://www.express.de/23586916 ©2016

Meet the Germans



Das erste Vorurteil:
Polen können nur polnisch sprechen.

Das zweite Vorurteil:
Polen lächeln nie,
aber Sie beschweren sich sehr sehr oft.

Das dritte Vorurteil:
Polen sind intolerant und antisemitisch.

Sind Sie typisch polnisch ?
Partnervermittlung wirbt:
"
Frauen aus Polen sind attraktiv, intelligent und treu"
(!)


Witold Waszczykowski: 
"
Welt aus Radfahrern und Vegetariern" (?)



Das vierte Vorurteil:

Polen trinken zu viel Alkohol.

Das fünfte Vorurteil:
organisierte Kriminalität und Autodiebstahl sind
ein Bestandteil des Alltags.

(Quelle: Staypoland)

Der Katalog der „deutschen Tugenden", die zunächst nach preußischem, militärischen Drill klingen und vom Ausland immer schon mit einer Mischung aus Bewunderung, Mitleid und Furcht betrachtet wurden, scheinen dem Bild des beliebten Deutschen nicht im Wege zu stehen, was viele Deutsche mit leichter Ungläubigkeit zur Kenntnis nehmen.  (Quelle: huffingtonpost)


'
Dieser ständige Versuch des „Zügelns des Aberwitzes der menschlichen Existenz“, die Grundhaltung des „Ordnung ins Chaos bringen“, das ist natürlich nur ein Schwerpunkt, ein Aspekt des „Lebens in Deutschland“, den Kowaluk vor Augen führt und mit vielen Beispielen illustriert auf den Punkt bringt. ... So steht am Ende der Lektüre ein „Wissen um Tugenden“, die vielleicht noch gar nicht breit genug in den eigenen Blick gerückt sind , ein Wissen auch um „die andere Seite“ (hier die polnische) und deren Blick auf sich und Deutschland und, natürlich, auch so manches nachdenkliche, wo ein wenig mehr lockerlassen oder ein Mehr an Interesse für „den Anderen und den Fremden“ gut zu Gesicht stehen würde. ...'
(Quelle: Rezensionsseite)


25 Jahre deutsch-polnische Freundschaft

Offiziell gibt es die deutsch-polnische Freundschaft seit 25 Jahren. Am 17. Juni 1991 wurde in Bonn der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet.
Wie ist es um diese Freundschaft bestellt?
ZEIT ONLINE und die polnische Gazeta Wyborcza haben sich gegenseitig fiese Fragen gestellt. Gemeinsam berichten sie über das Deutschlandbild in Polen und das Polenbild in Deutschland
Pressekonferenz Tusk/Merkel vom 21.6.2011



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„Gut gepolt!“


"
Seit Jahren arbeite ich als Übersetzerin deutscher Literatur ins Polnische, weil ich an dem Vermitteln zwischen den beiden Sprachen und Kulturen immer schon eine große Freude hatte, ich würde sogar sagen, diese Arbeit ist meine Daseinsberechtigung für mein Leben in der Fremde.
Eines Tages, ziemlich spontan, entschied ich, auch in die umgekehrte Richtung zu wirken. Ich las gerade Dorota Masłowskas Reiherkönigin auf Polnisch (Paw królowej) und überlegte, wen ich alles für das Projekt begeistern könnte, polnische Autoren in München einzuladen. Zum Glück fanden sich gleich wunderbare Partner, mit denen ich schon seit zehn Jahren das Projekt „Gut gepolt!“ vorantreibe. So kann das deutsche Publikum – und die hier lebenden Polen – so ziemlich auf dem Laufenden sein, was die polnische Gegenwartsliteratur in deutscher Übersetzung betrifft. Ich empfinde es als eine Art Mission, eine Art Tribut, den ich gleichzeitig meiner ersten wie meiner zweiten Heimat zahle.

Den Namen „Gut gepolt!“ erfand übrigens meine damals 6-jährige Tochter, in Anlehnung an die Floskel: „Das hast du gut gedeutscht“. Aber „gepolt“ meint nicht nur die – polnische – Sprache, sondern soll auch „polarisieren“ und „Pol“ evozieren. Zwischen zwei Polen leben, eben „gut gepolt“ zu sein, das versuche ich privat wie beruflich. Die Lesungen finden auch noch zufällig im Club Amperé des Muffatwerks statt, also – „passt“, wie der Bayer sagt.
(Quelle: Ahoj Nachbarn e.V.)

Gut gepolt und geczecht II mit Brygida Helbig, Tomáš Zmeškal am Di 07.06.16

Facebook - WDR-Interview (in polnisch) - Goethe Institut (in polnisch) - Goethe-Institut (in deutsch) - Deutsch geht gut - Deutschlandradio Kultur: "Deutschen und Polen fehlt es an Austausch"- Hoffnung auf Deutsch (Deutsch-Polnische Gesellschaft München) -
Was ist das Schönste an München im Sommer? SZ. Apfelpuffer zum Abschied

.... So steht am Ende der Lektüre ein „Wissen um Tugenden“, die vielleicht noch gar nicht breit genug in den eigenen Blick gerückt sind , ein Wissen auch um „die andere Seite“ (hier die polnische) und deren Blick auf sich und Deutschland und, natürlich, auch so manches nachdenkliche, wo ein wenig mehr lockerlassen oder ein Mehr an Interesse für „den Anderen und den Fremden“ gut zu Gesicht stehen würde. ...  (Quelle. Lovelybooks)
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