Dienstag
, 01.03.16
 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Gerd Anthoff



Foto: Mechthild von Lenthe

Lothar Lägel
macht Musik dazu auf der Zither
 

Ludwig Ganghofer
Perlen aus dem Schmonzettenmeer

Ein herausragender Münchner Schauspieler präsentiert Ludwig Ganghofer, in seiner Zeit ein Bestseller-Autor, heute auf dem Buchmarkt nicht mehr präsent. Karl Kraus machte ihn in „Die letzten Tage der Menschheit“ zu einer Bühnenfigur.

Münchner Merkur

 

Gerd Anthoff, weithin beliebter Charakter-darsteller und Volksschauspieler mit sonorem Bass, nennt den Bestsellerautor Ludwig Ganghofer (1855-1920) eine „bayerische Sphinx“, denn Leben und Werk des Schriftstellers weisen höchst unterschiedliche Facetten auf. Der erfolgreiche Autor, der die Betrachtung der Natur als Gegenstand der Literatur entdeckt, der Förderer des künstlerischen Nachwuchses, der „Heile-Welt“-Autor, zugleich ein Mann mit scheinbar mangelndem politischen Instinkt, Kriegsberichterstatter, Schöpfer des Bayern-Klischees, ein Meister der Selbstinszenierung zwischen Bodenständigkeit und Salonvergnügen.

 In der Lesung geht Anthoff dieser gespaltenen Persönlichkeit nach, lässt neben Ganghofer auch Karl Kraus zu Wort kommen. Und er bringt mit Lothar Lägel einen Musiker mit, der auf der Zither die Texte kongenial aufgreift.

Gerd Anthoff wurde in München geboren. Früh Schauspielunterricht, auch für Rollen mit bayerischem Dialekt. Engagements am Residenztheater, den Kammerspielen und dem Volkstheater. Von 1970 bis 2011 Ensemblemitglied am Residenztheater. Spielte dort rund 950 Mal im „Brandner Kaspar“, zahlreiche TV-Rollen (u.a. Löwengrube, Die Hausmeisterin, Cafe Meineid, Unter Verdacht).


Foto aus Augsburger Allgemeine

Lothar Lägel,
einfühlsamer und ausdrucksstarker Zithervirtuose, mehrfach preisgekrönt, pflegt klassische Musik, Volksmusik und Kleinkunst, etwa Lieder von Georg Kreisler. Es gibt wenig Instrumente, die komplexer zu spielen sind.


B
ayerische Sphinx

                

Ludwig Ganghofer
1855 in Kaufbeuren geboren,
1920 am Tegernsee gestorben

34 Millionen verkaufte Bücher.
Fast alle seine Romane wurden verfilmt.
Bücher u.a.:

  • Der Herrgottschnitzer von Ammergau. 1880
  • Der Jäger von Fall  1883  Film
  • Die Sünden der Väter.  1886
  • Edelweißkönig. 1886 Film
  • Der Unfried.  1888
  • Der Herrgottschnitzer von Ammergau. 1890
  • Der Klosterjäger. 1892   Film
  • Die Martinsklause. 1894
  • Schloß Hubertus. 1895  Film
  • Die Bacchantin. 1897
  • Das Schweigen im Walde. 1899  Film
  • Das Gotteslehen 1899
  • Der laufende Berg. 1899
  • Der Dorfapostel. 1900
  • Das neue Wesen.  1902
  • Der Hohe Schein.  1904
  • Der Mann im Salz. 1906
  • Damian Zagg.  1906
  • Waldrausch. 1907 Film
  • Lebenslauf eines Optimisten.1909-1911
  • Der Ochsenkrieg.  1914 Film
  • Die Trutze von Trutzberg 1915 Film
  • Das große Jagen. 1918
  • Perlen: sind etwas, was im Vergleich zu anderen gleichartigen Objekten herausragt, besonders hoch geschätzt wird. Perlen bilden sich in der Natur unter nicht genau geklärten Umständen (Wikipedia).
    Schmonzette:
     
    umgangssprachlich abwertend: wenig geistreiches (kitschiges) Werk; albernes minderwertiges Erzeugnis - aus jüdisch: Schmonzes (Wikipedia).
    Meer: poetisch: große Menge (Wiktionary)
    Perlen aus dem Schmonzettenmeer: Etwas, was aus einer großen Menge Kitsch hoch geschätzt herausragt - oder so.



    Zeichnung des Historienmalers  Louis Braun 1898
    im Hausbuch von Ludwig Ganghofer


    Ludwig Ganghofer
    war nach Karl May und Heinz G. Konsalik wohl der meistgelesene, sicher aber der meistverfilmte deutschsprachige Schriftsteller. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er in Welden bei Augsburg. Er arbeitete ab 1872 zunächst als Volontär in einer Augsburger Maschinenfabrik. In den Jahren 1874-1877 studierte er zunächst Maschinenbau, dann Philosophie und Philologie in München und Berlin und promovierte 1879 zum Dr. phil. in Leipzig. Ab 1880 lebt er in Wien und ist dort Dramaturg des Ringtheaters. Von 1886-1892 arbeitet er als Feuilletonredakteur, dann als freier Schriftsteller. Er kommt dann auch nach München. 1897 gründet er u.a. mit Ernst von Wolzogen die Münchner Literarische Gesellschaft. Viele Werke Ganghofers greifen Geschehnisse aus der Geschichte des Berchtesgadener Landes auf, wo er sich regelmäßig aufhielt. Er verbrachte beinahe 20 Jahre seines Lebens überwiegend in seinem Jagdhaus "Hubertus" im Gaistal in Leutasch und verfasste dort einen guten Teil seiner Werke, darunter sein bekanntestes, "Das Schweigen im Walde". Seine Heimatromane haben Ganghofer schon zu Lebzeiten den Ruf des „Heile-Welt“-Schreibers eingebracht. Nicht selten sind seine Werke, die meist vom Leben einfacher, tüchtiger, ehrlicher Leute handeln, als Kitsch bezeichnet worden. Wald und Gebirge wie Geschichte werden zu dekorativem Kulissenzauber voller Gefühlsschwärmerei. Ganghofer und seine Werke wurden deswegen schon zu Lebzeiten Zielscheibe satirischer Attacken, beispielsweise von Karl Kraus in seinem Werk 'Die letzten Tage der Menschheit'. Er war von oberflächlichem Fortschrittsglauben; darin traf er sich mit vielen seiner Zeitgenossen, auch mit Kaiser Wilhelm II., der seine Werke gern gelesen hat. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wird Ganghofer Mitglied der Deutschen Vaterlands-Partei (DVLP), meldete sich freiwillig als Kriegsberichterstatter und verfasste in dieser Zeit eine Vielzahl von Kriegsgedichten wie "Eiserne Zither" und "Neue Kriegslieder" und verkündete als Agitator der DVLP, ähnlich wie Ludwig Thoma, noch Durchhalteparolen, als der Krieg längst verloren war. Ganghofers Grab befindet sich auf dem Friedhof von Rottach-Egern neben dem von Ludwig Thoma - (Quellen: u.a. auch Projekt Gutenberg, Wikipedia, Lemo, Literaturportal Bayern, Deutsche Biographie)
     

    Ludwig Ganghofer, Der Karl May der Berge -   Aus dem Leben eines Optimisten - Ludwig Ganghofer im Schwäbischen Holzwinkel - Kulturhaus Ganghofermuseum: Gemeinde Leutasch - Marienthal-Studie - Ansprache von Wilhelm II. (1904) (Original-Edison-Walze, Text von Ganghofer) -
    Der Besondere (Hörspiel, BR, 1954) von Ludwig Ganghofer - Ludwig Ganghofer Polka - Filmmusik Orchester München

    Zum Nachlesen:

    • Ganghofer, Die Zitherspieler - Dös is grad, wie wann an arme Seel im Holz drin waar, dö unsern Herrgott anbettelt um Erlösung!“

    • Ganghofer, Lebenslauf eines Optimisten, Kapitel 5:  Dem Babettle seine Hochzeit Das Eahreschüssele (Süßer Milchreis mit Zimt)

    • Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit - Ganghofer und Kaiser Wilhelm II:  "Essen Sie, Ganghofer!"    > 23. Szene

    • Ganghofer, Herzmannski, der Getreue - nur ein oberbayrischer Dackel, geboren im Berchtesgadenerland, am Fuße des Untersberges, im Forsthaus zu Bischofswiesen

         Helmut Qualtinger liest die Szene zwischen Ludwig Ganghofer und Kaiser Wilhelm II. aus Karl Kraus' Werk "Die letzten Tage der Menschheit".-


    Gerd Anthoff
    , geb. 1946 in München, ist ein viel beschäftigter Bühnen- und Fernsehschauspieler. Bereits als Jugendlicher nahm er Schauspielunterricht; mit 18 erhielt er von 1964 bis 1967 vom Bayerischen Rundfunk ein Stipendium, mit dem Schauspieler mit bayerischem Dialekt gefördert werden. 1967 begann seine Theaterkarriere mit Engagements am Bayerischen Staatsschauspiel, an den Münchner Kammerspielen und am Münchner Volkstheater, bevor er 1970 festes Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel wurde und bis 2011 vierzig Jahre zum Ensemble gehörte. Im Münchner Volkstheater, im Gärtnerplatztheater, im Prinzregententheater aber auch außerhalb Münchens steht er seit 1985 zusammen mit vielen bekannten Volksschauspielern und jetzt u.a. mit Conny Glogger und Michael Lerchenberg in den "Opern auf Bayrisch" auf der Bühne.

    Er
    wurde 1995 mit dem Bayerischen Fernsehpreis, 2003 mit dem Adolf-Grimme-Preis, 2008 mit dem AZ-Stern des Jahres, 2010 mit dem Bayerischen Verdienstorden, 2011 mit der Medaille "München leuchtet" in Gold und 2013 mit "Pro meritis scientiae et litterarum" ausgezeichnet.
     




    Sandsteinrelief
    in St. Nantwein, Wolfratshausen
    Im Residenztheater Bayerisches Staatsschauspiel spielte Gerd Anthoff seit 1975 auch 27 Jahre lang in etwa 950 Vorstellungen des Theaterstücks "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" von Kurt Wilhelm in den Szenen im Himmel den "fast heiligen Nantwein", einen Rompilger "wohlhabend und gottesfürchtig", der in Wolfratshausen 1286 auf dem glühenden Rost den Märtyrertod erlitten hatte.
    Nantwein spricht gern lateinisch: "Nantovinus eram" - Oder beim Schafkopfen: "Cor! Cor! Cur cor? Cor supremus erat." Oder: wo denn der Portner sei ? "Ad sausicios albos" - wo?  "bei die Weißwürscht" - Oder zu seinem Schicksal: ... weil a Heiliger tot sein muss, dass er a Heiliger wird, ham's'n in Gottsnamen umbracht "
    "Für Wolfratshausen hat's g'langt!!"


    BR-Bildschirmfoto aus  "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" im Residenztheater




    Gerd Anthoff
    als Nantwein
    Foto: br

    Seinen Durchbruch im Fernsehen schaffte Gerd Anthoff 1989 als königlich bayerischer Abgeordneter Josef Filser in der gleichnamigen TV-Serie nach Ludwig Thoma. Vor allem durch seine Rolle als der zwielichtige Bauunternehmer Toni Rambold in der klassischen Sat1-Serie „Der Bulle von Tölz“ wurde Anthoff einem breiten Publikum bekannt. Seither wirkte er u. a. in den beliebten BR-Serien "Löwengrube" als Kriminaloberinspektor Deinlein, als Stadtrat Heppberger in "Die Hausmeisterin", in "Café Meineid" undKaiser von Schexing“ mit. Daneben auch Gastrollen in Krimiserien wie "Derrick", "Der Alte" oder "SOKO 5113",und in einer Vielzahl anderer Filme. 1995 erhielt er den Bayerischen Fernsehpreis für "Über Kreuz".


    Bild: ZDF
    "Ist dir nicht gut, Eva?"

    2003 bekam Gerd Anthoff den Adolf-Grimme-Preis für die Rolle dieses Salonbösewichts in Unter Verdacht
    (Die Serie läuft seit 2002 bis heute).
    Arroganter Kotzbrocken: Vom Ekel zum Zuschauerliebling
    Anthoff in der ZDF-Reihe "Unter Verdacht"

    Der Amtschef Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff) ist der ewige Gegenspieler und Vorgesetzte der tapferen, erfolgreichen aber manchmal auch ziemlich verbissenen und zuweilen deshalb ebenfalls unangenehmen Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und ihrem etwas kauzig wirkenden Assistenten, Hauptkommissar André Langner (Rudolf Krause), "wobei sich vor allem Prohacek und ihr Vorgesetzter in inniger Abneigung zugetan sind"  Reiter ist ein intelligenter, verschlagener und korrupter Widerling, der abwechselnd Abscheu und Mitleid beim Betrachter erzeugt, schreibt bereits 2005 'Der Spiegel'.  "Ein Arschloch eben", sagt Gerd Anthoff, aber auch einer mit Angst und Minderwertigkeitsgefühl"Eine wunderbare Herausforderung für einen Schauspieler."

    Das ZDF beschreibt die Rolle inzwischen so:
    "Der Leiter des Dezernats Wirtschaftskriminalität Dr. Claus Reiter ist ein jovialer, urbayrischer Beamter, der häufig auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Seine Mitarbeiterin Prohacek ist ihm ein Dorn im Auge, da ihre intensiven Ermittlungen zuweilen seinen Bestrebungen nach einer höheren Position in die Quere kommen. Auch seine 'Spezln' aus Politik und Wirtschaft will er vor allzu eindringlicher Recherche geschützt wissen. So sitzt er häufig zwischen den Stühlen und hat Schwierigkeiten, die verschiedenen Interessen zu vereinen. In den entscheidenden Momenten hält er nicht immer zu seinen Mitarbeitern, aber mit dem Alter kommt auch die Altersweisheit und die verleiht ihm immer weichere Züge."


    Foto: Literarische Gesellschaft Gräfelfing
      Gerd Anthoff liest Ludwig Ganghofer - Lothar Lägel spielt Zither
    "Ich geb's zu, es war nicht leicht, unter all den Heile-Welt- und Kitschgeschichten die
    Perlen
    herauszufischen,
    aber es gibt sie .... "

    Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „...er hat Perlen gefunden, seltsam geformte, schillernde, berührende....
    Sie versöhnen mit dem „Heile-Welt-Autor“ und kritiklosen Patrioten; wenigstens, wenn ein Schauspieler wie Gerd Anthoff ihm seine Stimme gibt .“
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    Foto: Literarische Gesellschaft Gräfelfing

    Foto: Literarische Gesellschaft Gräfelfing
    Lothar Lägel 
    D
    er Dritte Mann  -  Münchner Konzertschrammeln -
    Lothar Lägel

    "Lothar Lägel · Zither / Gesang / Moderation
    Rabenschwarzer Sarkasmus, hintersinnige Texte, eine voluminöse Gesangsstimme und virtuose Beherrschung des Instruments sind seine Markenzeichen. Der Zitherspieler Lothar Lägel hat es bis heute verstanden, sich gängigen Schubladen zu entziehen und musikalisch einen eigenen Weg zu gehen. Abstecher in die Kleinkunst oder Volksmusik sind für ihn genauso selbstverständlich wie klassische Musik aller Stilrichtungen. Zwischen 1979 und 1983 war er übrigens mehrfach Preisträger beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, bei dem er neben ersten Bundespreisen und dem Sonderpreis der Stadt Erlangen für zeitgenössische Musikinterpretation auch ein Stipendium der Karl-Klingler-Stiftung München erhielt.
    " (Quelle: Die Münchner Konzertschrammeln)

    "Wald und freie Bergluft haben mich zur Furchtlosigkeit erzogen, zu gläubiger Lebensfreude, zu dankbarem Staunen vor aller Schönheit, zur Wissenschaft von der ewigen Wiederkehr des Frühlings, zum Glauben, dass alle Torheit ein Umweg zur Klugheit ist, aller Schmerz ein Weg zur Freude."
    Ludwig Ganghofer