Dienstag, 17. November 2015
20 Uhr

 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Achim Amme
Ulrich Kodjo Wendt


Foto: ©Burkhard Battran

Echt verboten !
Ein Joachim-Ringelnatz-Programm,
mit Musik

Pressebericht   -   Fotos

Bio • Grafisch
Lied • Er®atisch


Es gibt einfach Zufälle. Am 17.11.2015 kamen Achim Amme und Ulrich Kodjo Wendt aus Hamburg mit ihrem viel gelobten Ringelnatz-Programm nach Gräfelfing, weil dieser Termin bei ihnen und uns frei war. Am 17.11.1934 ist Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher) in Berlin gestorben.

Der Dichter ist ein Klassiker geworden. Jeder kennt ihn, kaum einer liest ihn. Zu Unrecht, wie schon Erich Kästner wusste. In seinen Texten gibt es so viel zu entdecken. Wie aber schaufelt man in Zeiten überbordender Information den Weg zu Ringelnatz frei und entdeckt abseits der Klischees von der Ulknudel und dem Spaßvogel auch die verborgenen Seiten seines Wesens? Dem widmen sich erfolgreich die beiden Protagonisten. Amme gestaltet die Texte und Gedichte meisterlich, und untermalt Lieder mit der Gitarre, während Wendt auf dem diatonischen Knopfakkordeon begleitet.


Achim Amme, Jahrgang 1949,  stammt aus Celle, Ausbildung an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. Amme lebt in Hamburg, ist freier Autor, Schauspieler und Musiker. Rollen in TV-Filmen, Ringelnatz-Preisträger, schreibt Lyrik, Kurzprosa und Songs, vertonte selbst Ringelnatz-Texte.

Ulrich Kodjo Wendt, geb. 1962, stammt aus Hamburg, ist Musiker, wuchs mit afrikanischer Musik, Jazz und Filmmusik auf. Er schrieb Musik für Spielfilme (u.a. für Fatih Akin) und für die großen Hamburger Theater. Auftritte als Soloakkordeonist und mit seiner UKW.Band.


„Ich sterbe. Du stirbst. Er stirbt.
Viel schlimmer ist,
wenn ein volles Fass verdirbt.“

Joachim Ringelnatz (07.08.1883 – 17.11.1934);
aus: Kuttel-Daddeldu (1924)


Plakat © Bernd Lehmann
 

Als ich noch ein Seepferdchen war,
Im vorigen Leben,
Wie war das wonnig, wunderbar
Unter Wasser zu schweben.
In den träumenden Fluten
Wogte, wie Güte, das Haar
Der zierlichsten aller Seestuten,
Die meine Geliebte war.   ... 

Aus dem Pressetext zu diesem Programm:  Das Anliegen ...: Joachim Ringelnatz, diesen wunderbaren, mit einem großen Herzen ausgestatteten, rotzfrechen, immer für eine Überraschung guten Menschen, sowohl in seiner Tiefe, als auch in seinen literarischen, wie sonstigen Höhenflügen (und Abstürzen) einem breiteren Publikum näher zu bringen. In einer Zeit, in der die humanistischen Ideale zu verrotten drohen, eine „Generation Praktikum“ heranwächst, die in Anbetracht einer – nicht zuletzt durch die allgemeine Finanzkrise – ungewissen Zukunft mutlos zu werden droht, mit den entsprechenden Folgen für Staat und Gesellschaft, kann ein Blick auf Wirken und Werke von Joachim Ringelnatz Gold wert sein. Er hat die Düsternis der Arbeitslosigkeit ebenso erfahren, wie Obdachlosigkeit und Gefängnis. Aber er hat nie den Mut verloren, sich immer wieder aufgerafft und seinen Weg beständig weiterverfolgt. Dass er dabei nicht den Nazis auf den Leim ging, ist ihm besonders hoch anzurechnen. Sogar als diese ihn schließlich mit Berufs- und Auftrittsverbot belegten, änderte das nichts an seiner Einstellung, gemäß dem eigenen Motto:

"Vergiss die drei nicht:
Treue, Wahrheit und Sinn für Schönheit.“



Original-Radierung Bernd Lehmann...
(Kurt Tucholsky)
Ringelnätzchen, liebes Seelchen, was sind doch die Menschen stumpf, dass sie dich so oft missverstehen, dass sie nicht fühlen, wie hinter deiner Klabautermannfratze ein zartes Kinderherz wohnt, so ängstlich, dass es im Dunkel dieses Welt-Dschungels zu singen anfängt. Du flüchtest immer wieder in deine Spielstube, das Treiben der Erwachsenen ist dir nie ernst. (Paul Wegener - in einer Rede auf Joachim Ringelnatz an dessen 50. Geburtstag) Joachim der Erste (genannt "Ringel") ...
Neben den spaßhaften Gedichten, in denen Ringelnatz den risus interruptus erfunden hat, stehen jene Verse, die wir wohl alle lieben, weil sie unsre, unsre Melancholie enthalten, eine, deren man sich niemals zu schämen hat. Dieses ›Vorbei‹. Und die reine Liebe wird vergossen im Vorbei. (Kurt Tucholsky)
So stark ist der Dichter in dem Manne, der erlebt, daß das Banalste und Niedrigste durch ihn zum Wunder wird. Nichts ist so unbedeutend an der bunten Welt, daß er es nicht ergreifen könnte. – Ringelnatz steht in der neuesten Literaturgeschichte noch immer nicht auf dem Platze, der ihm gebührt.”
(Erich Kästner)
     
Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.Und da war es aus Gips.


... Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Rest der Reise
.


Joachim Ringelnatz, kam am 7.8.1883 als Hans Gustav Bötticher in Wurzen bei Leipzig zur Welt. Er bezeichnete sich später einmal als “etwas schief ins Leben gebaut”. Er war Schiffsjunge, Matrose, später Leutnant zur See, Handlungsgehilfe, Hausmeister in einer englischen Pension, Lehrling in einer Dachpappenfabrik, Angestellter eines Reisebüros, Tabak-Händler, Burgfremdenführer, Schaufensterdekorateur, Privatbibliothekar und Archivar u. a. bei Heinrich Graf Yorck von Wartenburg und bei Baron Börries von Münchhausen. Als Kabarettist 1909 erste Auftritte im Simplicissimus in München. Ende 1919 wurde aus Hans Bötticher schließlich Joachim Ringelnatz. Ob das Pseudonym „Ringelnatz“ nun an das Seepferdchen, seemännisch „Ringelnass“, erinnern sollte oder als poetisches Gedenken an seinen „Schlangenzoo“ gedacht war, ließ der Dichter im Unklaren. Als Dichter, Erzähler, Maler und als Vortragskünstler seiner eigenen Werke brachte er es in der Weimarer Republik zu einigem Ruhm und wurde vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu bekannt.  Er gehörte zum Freundeskreis um  Frank Wedekind, Erich Mühsam, Carl Georg von Maassen und Richard Seewald und konnte “von Frauen wie von Alkohol nie genug bekommen” (Alfred Polgar). 1920 heiratete er seine 15 Jahre jüngere Frau Leonharda Pieper, von ihm liebevoll 'Muschelkalk' genannt. Joachim Ringelnatz schrieb zwischen 1910 und 1934 fast 20 Bücher: Gedichtbände, zwei Autobiografien, Romane, Bühnenstücke und Kinderbücher und verwendete u.a. auch die Pseudonyme Pinko Meyer, Fritz Dörry und Gustav Hester. Seine poetischen Träume „zeigen ihren Verfasser auch als einen großen Dichter“ (SZ). Mit Machtantritt der Nationalsozialisten wurden seine Bücher auf den Index gesetzt; Ringelnatz erhielt Bühnenverbot. Sein letzter öffentlicher Auftritt war anlässlich seines 50. Geburtstages bei einer Feier im Hotel Kaiserhof in Berlin, eine Feier, die Ernst Rowohlt ausrichtete. Da war Ringelnatz schon an einer lang verschleppten Tuberkulose erkrankt. Nach dem Auftrittsverbot kamen Verarmung und der Tod am 17. 11. 1934 in Berlin. In seiner Grabrede zitierte Paul Wegener das Ringelnatz-Gedicht für Muschelkalk: “Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.”
 



Kuttel Daddeldu, eine karikaturistische Kunstfigur von Joachim Ringelnatz


... Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.

WikipediaNDB - Literaturportal Bayern - Werke Im Projekt Gutenberg-DE - Literatur von Ringelnatz in den BVB-Datenbanken - Literatur über Ringelnatz in den BVB-Datenbanken - wikisource - Joachim Ringelnatz Stiftung und Museum - Ringelnatz-Gesellschaft e.V. - Joachim Ringelnatz Verein e.V. Wurzen - ringelnatz.net -


  ...Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.


Ausstellungsplakat mit dem Gemälde "Die letzte Fahrt"



»Denkt nach, dann könnt ihr zwischen Zeilen
Auch mit geschlossenen Augen lesen,
 Daß Onkel Ringelnatz bisweilen
Ein herzbetrunkenes Kind gewesen
«

 



www.achim-amme.de



YouTube Bildschirmkopien



Ulrich Kodjo Wendt
 

 



www.ulrichwendt.de

              http://www.ulrichwendt.de/seiten/php/shop/img/cd02_a.jpg

"Der Stein der Weisen sieht dem Stein der Narren zum Verwechseln ähnlich"  Ringelnatz