Miitwoch, 30. September 2015
 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Dietmar Ossenberg

Journalist und Fernsehmoderator, Nahostexperte, 1994-2001 und 2009-2015 Leiter des ZDF-Studios Kairo


Quelle: Dietmar Ossenberg

 


Das Ende
des arabischen Traums

 

Mittwoch,
30. September
 

Der Abend war mit
300 Besuchern
komplett ausverkauft !

 

Pressebericht



Fotos


Wenn jemand plausibel erklären kann, was zuletzt in den Ländern der „arabischen Welt" geschehen ist, dann ist das Dietmar Ossenberg, der langjährige Leiter des ZDF-Studios in Kairo und Grimme-Preisträger. Er beobachtet einen Prozess der Auflösung von Nationalstaaten:  In Libyen sind die Islamisten auf dem Vormarsch. Syrien versinkt in den Trümmern eines vermeintlichen Religionskrieges. Der Irak zerbricht. Überall dort, wo sich staatliche Strukturen auflösen, wird das Feld für religiöse Extremisten bereitet.

Islamistische Terroristen haben Europa ins Visier genommen und wir lassen uns auf Diskussionen ein: "Ist der Islam eine friedliche Religion oder nicht?" Einer Diskussion, der wir im Westen nicht gewachsen sind. Dabei hat der Niedergang der arabischen Welt und der menschenverachtende Extremismus mit dem eigentlichen Islam wenig zu tun. Die maßlose Korruption, Heuchelei und der Missbrauch der Religion haben viele Arabische Gesellschaften von innen ausgehöhlt und zerstört. Der so genannte "Islamische Staat" ist auch als Reaktion darauf entstanden. Ein Phänomen, das militärisch kaum zu besiegen sein wird, und mit dem wir uns wohl noch für Jahre beschäftigen müssen.

Dietmar Ossenberg, geboren 1950 in Recklinghausen, studierte Soziologie in Mannheim, nach dem Studium 1979 erste journalistische Erfahrungen beim ZDF und 1981 beim Hessischen Fernsehen. Seit 1990 arbeitete er in der Redaktion „Innenpolitik" beim ZDF, seit 1992 im Bereich „Außenpolitik" Leitung des Auslandsjournals: Zwischen 1994 und 2001 leitete er das ZDF-Studio in Kairo, dann bis 2009 Chef der Außenpolitik und Moderator des Auslandsjournals. Seit 2009 wieder in Kairo, verfolgt er u.a. die Revolution in Ägypten und den Bürgerkrieg in Libyen. Seit Ende August in Ruhestand. Er verfügt über „langjährige Erfahrungen, hohe Fachkenntnis und interkulturelle Kompetenz, die dem Zuschauer den Nahen Osten ein Stück näher bringt“ so die Begründung für die Besondere Ehrung beim Grimme-Preis 2015.


Die arabische Sprache
 
ist die verbreitetste Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachfamilie und in ihrer Hochsprachform ‏
Fuṣḥā eine der sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen. Schätzungen gehen davon aus, dass Arabisch von 240 Millionen Menschen als Muttersprache und von weiteren 50 Millionen als Zweitsprache gesprochen wird.

Durch seine Rolle als Sakralsprache entwickelte sich das Arabische zur Weltsprache. Die moderne arabische Standardsprache beruht auf dem klassischen Arabischen, der Sprache des Korans und der Dichtung, und unterscheidet sich stark von den gesprochenen Varianten des Arabischen.  

 Quelle: Portal der Arabischen Welt und Kultur



Arabischer Traum Quelle: forwallpaper.com


Die
arabische Welt
besteht aus insgesamt neunzehn Ländern. Ihre Bevölkerung wird auf 337 Millionen Menschen geschätzt. Sie wird durch eine gemeinsame Sprache definiert, wobei Schriftarabisch die offizielle Sprache von 24 Ländern ist. Der arabische Dialekt, in seinen vielen Varianten, ist die Sprache des täglichen Gebrauchs in diesen Ländern. Die arabische Welt ist vor allem in Nordafrika in zwei (historische) Großräume geteilt: Maschrek im Osten, und Maghreb im Westen. Die gegenseitige Verständigung zwischen den Sprechern des Maschrek und des Maghreb ist möglich, aber für die Benutzer des Maschrek ist es schwieriger.

Quelle: Portal der Arabischen Welt und Kultur




Quelle: Stepmap.de

Das ZDF-Studio Kairo ist zuständig für die Berichterstattung aus Ägypten, Irak, Libyen, dem Tschad, Nord-Sudan, Saudi-Arabien, Jemen, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Bahrain, Jordanien, Syrien, Mahgreb-Staaten (nur bei pan-arabischen, pan-islamistischen Themen) und dem Libanon. Mit Reportagen, Hintergrundberichten und Analysen zu allen Themen dieser Regionen liefert das Studio Beiträge für das ZDF.  Hans-Ulrich (Uli) Gack übernahm am 1. September 2015 die Leitung des ZDF-Studios in Kairo.
   Video: Das ZDF-Studio Kairo


Islamismus
ist ein sozialwissenschaftliches Konzept, das seit den 1990er Jahren zur Charakterisierung von verschiedenen Ideologien und Bewegungen verwendet wird, die sich in einer spezifischen Weise auf den Islam berufen. Zur Frage der Abgrenzung des Begriffs „Islamismus“ von anderen Begriffen wie „Islam“, „islamischer Fundamentalismus“, „islamistischer Terrorismus“ und „politischer Islam“ existieren sehr unterschiedliche Auffassungen. Auch die Aussagekraft des Begriffs „Islamismus“ und die Frage, wann Islamismus als soziales Phänomen zum ersten Mal aufgetreten sei, werden unterschiedlich beurteilt. Quelle und weitere Ausführungen: Wikipedia


Galeere des Glaubens

Materialien zur Religionswissenschaft
Islam


Islamischer Staat (IS)  -
Beim "Islamischen Staat" handelt es sich um eine fundamentalistische Organisation, die das Ziel hat, den Kalifat (Gottesstaat) im Nahen Osten zu errichten. Und zwar im Gebiet der Staaten Syrien, Irak, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien. Es gelten die Gesetze der Scharia, Frauen werden unter Androhung ihres Todes gezwungen, einen Schleier zu tragen. Der UN-Weltsicherheitsrat, die USA, Großbritannien und Deutschland haben die dschihadistisch-salafistische Gruppe als terroristische Vereinigung eingestuft. Die 2004 gegründete sunnitische Gruppe nennt sich heute Islamischer Staat (IS). Sie wird aber auch als Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL), Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) oder Islamischer Staat Irak und Großsyrien (ISIG) bezeichnet. © 2015 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
 

Umbruch in der arabischen Welt
Seit Beginn des Umbruchs in der arabischen Welt im Dezember 2010 befindet sich die Region in einem dynamischen und dramatischen Wandel. In vier Ländern (Ägypten, Jemen, Libyen und Tunesien) haben Massenproteste zunächst zur Absetzung langjähriger autoritärer Führungsspitzen und zur Einleitung politischer Übergangsprozesse geführt. Dabei ist bislang lediglich in Tunesien der Übergang zu einer deutlich liberaleren und partizipativeren Ordnung gelungen. Doch auch wenn dort die Transitionsphase seit den ersten freien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2014 offiziell als abgeschlossen gilt: Von einer Konsolidierung der demokratischen Ordnung ist das Land noch weit entfernt. In Ägypten leitete dagegen ein Staatsstreich der Armee 2013 eine autoritäre Restauration ein. In Jemen und Libyen sind Machtkämpfe einmal mehr in Bürgerkriege mit externer Intervention gemündet.  mehr: Stiftung Wissenschaft und Politik


29.08.15 heute journal:

Claus Kleber: "Dietmar Ossenberg. Unser erfahrener Korrespondent für die arabische Welt. Dietmar hat das Alter erreicht, in dem man seinen Arbeitsplatz an die nächste Generation weiterreicht. Aber einen Bericht mache ich euch noch, hat er gesagt. Aus dem Libanon. Aus Beirut, das er liebt aus der Zeit, als es noch das Paris des Nahen Ostens war. Und nun versinken die Stadt und das Land im Dreck, in Schlammschlachten um die Macht, um Geld und den Müll. Und es ist schwer zu sagen, was am meisten stinkt."

Beirut versinkt im Müll - In der libanesischen Hauptstadt Beirut türmt sich der Müll.
Hintergrund: Die Verträge zur Müllentsorgung sind ausgelaufen. Im Land finden daher wiederholt Massenproteste gegen die Regierung statt.

Bildschirmkopie ZDF heute journal

Claus Kleber über Dietmar Ossenberg: "Wenn dieser silberne Löwenkopf auf dem Schirm erscheint, dann hat man das Gefühl, hier bin ich gut aufgehoben. Was der mir sagt, das ist fundiert. Das ist zwar auch nicht tausend Prozent richtig, das sagt er mir selber, dass er nicht wissen kann, was wird, aber es ist zuverlässig, es ist anständig recherchiert, es ist gute journalistische Arbeit, und es ist einer, auf den ich mich verlassen kann."



Bildschirmkopie ZDF Volle Kanne

ZDFmediathek Sendungen mit Dietmar Ossenberg

02.09.15 Mittagsmagazin: Auffanglager im Libanon
02.09.15 heute: Desolate Zustände im Libanon
06.08.15 heute journal: Eröffnung des neues Suezkanals
30.05.15 zdf info: Dubai - Das Übermorgenland
21.05.15 heute: IS erobert syrische Stadt Pamyra
10.04,15 heute journal: Der Alptraum von Jarmuk
20.03.15 heute journal: Jemen: Anschläge auf Moscheen
22.01.15 zdf Volle Kanne

und weitere 45 Sendungen



Bildschirmkopie ZDF heute
Wikipedia - facebook - Interview mit Stimme.de - Lokalkompass.de: Aus Recklinghausen in die Welt -   Ossenberg auf YouTube - Interview zum 51. Grimme-Preis 2015 - "Alles bekommt man nie mit" - ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg zieht nach über 15 Jahren in der arabischen Welt Bilanz  (S. 14/15 u. S. 20/21)

Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbands (DVV) für Dietmar Ossenberg. Stifter des Grimme-Preises würdigen Verdienste um Auslandsberichterstattung: "Die Aufbereitung und Manipulationsfreiheit von Fakten und Bildern aus Krisengebieten ist nötig, um Ereignisse belastbar einzuordnen und sich in einer demokratischen Gesellschaft eine Meinung zu bilden. Den Medien und den Medienschaffenden kommt dabei eine herausragende Verantwortung zu. Dies gilt gerade auch für das Massenmedium Fernsehen" - "Bei der Entscheidung für die Preisträgerin und den Preisträger der Besonderen Ehrung hat sich der DVV auch von der Aktualität leiten lassen".  Die Gegenwart sei von aktuellen Krisen geprägt und die Konfliktlagen extrem unübersichtlich. Unabhängige Journalistinnen und Journalisten könnten in dieser Situation "Welterklärer im besten Sinn" sein.

"Der Grimme-Preis ist für uns eine große Ehre und Anerkennung: für alle Auslandskorrespondenten, mich eingeschlossen. Vor allem aber für die Kolleginnen und Kollegen des ZDF-Studios Kairo, die unsere Arbeit erst möglich gemacht haben, und die nicht selten unter hohem Risiko für Leben und Gesundheit mit mir in der arabischen Welt gearbeitet haben. Unser Team in Kairo besteht ausschließlich aus Ägypterinnen und Ägyptern. Auch wenn westliche Korrespondenten zunehmend zur Zielscheibe werden, das eigentliche Risiko tragen die sogenannten „Ortskräfte“, die im eigenen Land aber auch in vielen arabischen Ländern nicht selten als Spione verdächtigt und angefeindet werden, weil sie mit einem westlichen Medium zusammenarbeiten und deren Arbeitserlaubnis von der Regierung und den Geheimdiensten jederzeit entzogen werden kann. Ich frage mich zunehmend, ob wir ihren Einsatz und ihre Risikobereitschaft angemessen würdigen. Um ehrlich zu sein, ich meine nein. Auch deshalb ist dieser Preis so ungeheuer wichtig."


Bildschirmkopien ZDF


Bildschirmkopie aus YouTube

Aus dem Bericht in Spiegel-online über die ARD Sendung "Hart aber fair" vom 28. September 2015:
...
Dass sich das Weiterschauen trotzdem lohnte, war vor allem Dietmar Ossenberg zu verdanken.  Denn die Beiträge des ZDF-Journalisten, der 13 Jahre lang aus arabischen Ländern berichtet hat, waren nicht so erwartbar wie die Einwürfe des diplomatischen A... oder des angriffslustigen A-S.... Ossenberg schwärmte über die Herzenswärme vieler der 18 Millionen Moslems in Kairo, von denen "wahrscheinlich jeder einzelne seinen eigenen Islam lebt". Er blaffte den als Islam-Vertreter eingeladenen A.... barsch an ("Kommen Sie, jetzt reden Sie drum herum!"), dann wieder unterstützte er dessen Argumente offensiv ("Was wir im Nahen Osten an Problemen haben, hat mit Religion sehr wenig zu tun."). ...

Aus dem Interview anlässlich des Grimme-Preises:  ... "Wie geht es denn für Dietmar Ossenberg persönlich nach dem ZDF weiter? Sie gehen offiziell im Sommer in Pension..."

"Ich werde in Kairo bleiben und einen großen Teil meiner Zeit dort verbringen. Meine Frau wird pendeln. Ich habe vor, die Sprache richtig zu lernen und mich auch mit der Geschichte des alten Ägyptens etwas vertrauter zu machen. In diesem Land und in dieser Stadt zu leben bleibt ungeheuer faszinierend - trotz aller Negativ-Nachrichten, die von dort kommen mögen. Es ist vor allem ein Privileg, mit den wunderbaren Menschen dort zu leben. Natürlich würde ich mich auch freuen, noch das eine oder andere an Journalismus beizusteuern."

  Kairo - Geschichten aus 1001 Nacht
Dietmar Ossenberg gibt ebenso aufschlussreiche wie amüsante Antworten auf Fragen, die sich viele Besucher stellen,
wenn sie zum ersten Mal in den farbenprächtigen und geheimnisvollen Alltag der ägyptischen Hauptstadt eintauchen.