Dienstag, 14. April 2015
 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Yvonne Hofstetter


Foto: C. Bertelsmann © Heimo Aga
 

Sie wissen alles
Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen, und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen

Pressebericht

 

Edward Snowden lässt grüßen. Denn mit dem allseits optimierten Homo oeconomicus drohen Überwachung und Kontrolle, eine Welt ohne Geheimnisse und Privatheit, die schrankenlose Herrschaft von Internetgiganten und Technologiekonzernen. Unkontrolliert agierende intelligente Maschinen und die Algorithmen, nach denen sie funktionieren, bestimmen zunehmend unsere digitale Existenz. Ist der freie Mensch bereits ein Auslaufmodell?

Yvonne Hofstetter, die sich mit „
Big Data“ bestens auskennt, will mit „Sie wissen alles“ (2014) das Bewusstsein für die Behauptung unserer Menschenwürde, dem einzigen Supergrundrecht unserer Verfassung,  in dieser vermeintlich „schönen neuen Welt“ der digitalen Revolution schärfen und verteidigen.. Ihr Ziel ist ein neues Verhältnis von Mensch und Maschine. Wie wollen wir zukünftig mit unseren digitalen Möglichkeiten umgehen - und wie können wir sie beherrschen?

Yvonne Hofstetter stammt aus Frankfurt und lebt in Freising und Wien. Nach dem Jurastudium begann sie in der Informationstechnologie zu arbeiten, zunächst für ein amerikanisches Unternehmen, dann in der Finanztechnologie. Seit 2009 führt sie die Teramark Technologies GmbH. Ihre Schwerpunkte sind Fusion und Analyse großer Datenmengen für Staat und Industrie auf der Basis wissenschaftlichen Programmierens und künstlicher Intelligenz.
 


Der Angriff der Intelligenz


»Yvonne Hofstetter ist eine Schlüsselfigur bei der Debatte um unsere gesellschaftliche Zukunft. Sie weiß, wovon sie spricht: denn sie kennt die Systeme, die uns programmieren. Diese Autorität gibt ihren Argumenten entscheidende Durchschlagskraft.«

So zitiert Yvonne Hofstetter den 2014 verstorbenen Publizisten Frank Schirrmacher
 


Big Data: Datenmengen, die zu groß oder zu komplex sind oder sich zu schnell ändern, um sie mit klassischen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten
Grafik von www.politik-kommunikation.de

 
 
"Persönliche Daten sind das Öl der neuen Wirtschaft. Wir werden ausgebeutet wie Ölfelder und geben freiwillig unsere Ware her" (Brigitte 4/2015) -
 




google apps

Die schöne neue Welt der smarten, vernetzten Telefone, Häuser und Alltagsgegenstände verspricht uns Komfort und ein schöneres Leben. Dafür aber wollen sie alles von uns wissen. Wir haben es gern bequem, und das hat eben seinen Preis.

An dieser Stelle widerspricht Yvonne Hofstetter leidenschaftlich: Es ist ein Spiel mit dem Feuer, der Einsatz unverhältnismäßig hoch. Die intelligenten Systeme der digitalen Revolution – auch als Big Data bekannt – lösen nicht nur einen technologischen, sondern einen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel aus. Die digitalen Landnehmer à la Google, Facebook oder Amazon sind in Goldgräberstimmung. Der freie Mensch jedoch, der über seine Zukunft selbst bestimmt – er steht auf dem Spiel. Intelligente Maschinen, die uns »optimieren« wollen, greifen in unseren Alltag ein und regeln unsere Zukunft. Unsere Menschenwürde, eine der großen Errungenschaften europäischer Geschichte, ist akut bedroht und damit unsere demokratische Grundordnung.  - Text: C.Bertelsmann

"Sie wissen alles" war auf der Shortlist zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2014,
war im
Finale des NDR Kultur Sachbuchpreises 2014 und war auf der Spiegel-Bestsellerliste. - Rezension




Facebook


Facebook


Amazon


Amazon


payback



"Fang den Augenblick ein und teile ihn mit anderen auf der ganzen Welt - Instagram ist eine schnelle, schöne und spannende Möglichkeit, dein Leben mit Freunden und Familie zu teilen. - Nimm ein Foto oder Video auf, wähle einen Filter, um das Aussehen und die Stimmung zu verändern und poste es auf Instragram - so einfach ist das. Du kannst es auch auf Facebook, Twitter, Tumblr und mehr teilen. Es ist ein neuer Blick auf die Welt.- Ach ja – haben wir eigentlich erwähnt, dass es kostenlos ist? "









Willkommen bei Twitter! Verbinde Dich mit Deinen Freunden – und anderen faszinierenden Leuten. Erhalte sofortige Updates zu Dingen, die Dich interessieren. Sieh dabei zu, wie sich Ereignisse entwickeln, in Echtzeit und aus jedem Blickwinkel.




 

 Social networks = Soziale Netzwerke ??

                                                                                                                                    
"Wer heute in den Vereinigten Staaten eine Krankenversicherung abschließen will, aber nicht über ein Facebook-Profil oder eine vergleichbare Onlineexistenz verfügt, zahlt einen 15 Prozent höheren Versicherungsbeitrag." Yvonne Hofstetter (Konrad Adenauer Stiftung, 16.12.2014)
 


Smart-TV hört mit

Extra dreist:
Samsung
weist darauf hin, dass Nutzer vor ihrem Smart-Fernseher keine Gespräche führen sollten, die persönliche oder andere vertrauliche Informationen enthalten, da diese aufgezeichnet und an einen Drittanbieter geschickt werden.

Samsung Global Privacy Policy - SmartTV Supplement: "If you enable Voice Recognition, you can interact with your Smart TV using your voice. To provide you the Voice Recognition feature, some voice commands may be transmitted (along with information about your device, including device identifiers) to a third-party service that converts speech to text or to the extent necessary to provide the Voice Recognition features to you. In addition, Samsung may collect and your device may capture voice commands and associated texts so that we can provide you with Voice Recognition features and evaluate and improve the features. Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party through your use of Voice Recognition."


"Our vision of the conscious home
"

"Wir sehen, wenn Leuten ihr Toast verbrennt oder Kohlenstoffmonoxid austritt"

  (Nest Labs, für 3.2 Milliarden $ gekauft von - Google ...)
Aber sie wollen alles von uns wissen.

...Warum protestieren, ich habe nichts zu verbergen ...

»Ein Mensch, der glaubt er habe tatsächlich nichts zu verbergen, irrt sich in zweierlei Hinsicht. Zum einen entscheidet nicht er, ob er etwas zu verbergen hat oder nicht, sondern diejenigen, die Machtinstrumente bereits in Händen halten, können darüber entscheiden, gegen wen die eingesetzt werden sollen. Ob man also was verbirgt oder nicht, entscheidet sich immer danach was gerade aktuell als gefährlich, kritisch oder irgendwie verboten definiert wird. Das kann jeden von uns treffen.« - »›Ich habe nichts zu verbergen‹ ist ein Synonym für ›Ich tue, was man von mir verlangt‹ und damit eine Bankrotterklärung an die Idee des selbstbestimmten Individuums.« Juli Zeh

http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Nichts_zu_verbergen%3F



© managementboy - elkin -  
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keine Änderungen vorgenommen

Definition von Big Data:: 
- Volume
(Sammeln von exorbitanten Datenvolumen und Bestimmung von deren Relevanz) -
- Velocity (zeitnahe Zusammenführung, Aggregierung, Verarbeitung immer schneller und fortlaufend anfallender Daten) -
- Variety
(Informationsgewinnung durch Aufbereitung unstrukturierter und unterschiedlich formatierter Datenströme)
Es geht bei dem Begriff BIG DATA also nicht nur um große Datenmengen sondern um eine Technologie, die selbständig Entscheidungsstrategien erzeugt. Der Ursprung von
Big Data liegt u.a. in der militärischen Lageaufklärung. Hoheitliche Stellen wie die NSA sind deshalb in der Analyse persönlicher Daten weit vorn.

"Die Entmystifizierungsmaschinerie namens Big Data wälzt unaufhaltsam voran. Nun hat sie ein neues Betätigungsfeld erschlossen, das die Menschen für lange Zeit für unerklärlich hielten. Nämlich den Pop.  .. All das mit einem erklärten Ziel: den nächsten Hit, das nächste große Ding vorherzusagen.  ...  Die oberste Big-Data-Maxime, nämlich „das Signal vom Lärm zu unterscheiden“, gilt hier vielleicht noch mehr als anderswo. ..."  SZ 23.3.15 Feuilleton "Die Mathematik des Erfolges" -
Weil mit dem Internet der Dinge – all den intelligenten Gadgets, die wir zur Kommunikation und Selbstvermessung nutzen – die künstliche Intelligenz in den Alltag einzieht, kann ihr bald niemand mehr entkommen. Deutschlandradiokultur 15,9,14


Al­go­rith­mus, der


Verfahren zur schrittweisen Umformung von Zeichenreihen; Rechenvorgang nach einem bestimmten [sich wiederholenden] Schema
- Quelle: Duden

Die ungeheuren Datenmassen, die in jeder Sekunde gesammeltt werden und sich durchs weltweite Netz ergießen, sind vielleicht allein noch kein Risiko. In drei Stufen erfolgt eine sog.  Datenfusion : Die Sammlung mithilfe hochleistungsfähiger Datenbanken und die Analyse der Daten sind möglicherweise alleine noch nicht extrem gefährlich. Erst in der dritten Stufe beginnen die Maschinen mithilfe von Algorithmen Kontrollstrategien aufzubauen und selbstständig und selbstlernend  Abfolgen vorzugeben. Die Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft geht insbesondere wohl von diesen autonomen Algorithmen aus, die die Entscheidungen optimieren sollen - die aber auch beginnen können, den Menschen zu optimieren. Sie prognostizieren und berechnen uns neu und kontrollieren uns eigenständig, schnell, überall und immer. Was dabei geschieht, kann oft nicht wirklich nachvollzogen werden. Anwendungsfälle sind z.B. automatisierter Börsen- und Währungshandel,  Steuerung von Verkehrsflüssen, Produktionsabläufe, Scoringverfahren, Haustechnik, precobs (ein Verfahren zur ´Vorhersage drohender Einbrüche), vernetzte Autos, selbst steuernden Kampfdrohnen oder gar bei der Beurteilung menschlicher Verhaltensweisen mithilfe elektronische Armbänder.

Algorithmen - es gibt eine neue Weltsprache - die Sprache der Maschinen. In dieser Sprache sind Algorithmen das Element, das die Entscheidungen fällt.  ... Algorithmen ... werden von Ingenieuren geschrieben. Die sind keine Vertreter der Gesellschaft, sondern sie handeln im Dienst eines Instituts, einer Firma, eines Geheimdienstes oder auch nur für sich selbst. Wenn aber Algorithmen in der Welt der Maschinen die Sprache der Entscheidungen bilden, tut eine Gesellschaft gut daran, sich mit ihr zu beschäftigten. Quelle SZ vom 22.7.2014

                                                     Wikipedia -
Algorithmus der Woche


Flash Trading:
mit dem Geld normaler Sparer zocken

Hochfrequenzhandel ist der mit Computern betriebene Handel mit Wertpapieren, der sich durch kurze Haltefristen und hohen Umsatz auszeichnet. Dabei handeln Hochleistungsrechner selbstständig oder mit Einwirken von Menschen innerhalb von Sekunden bis in den Mikrosekundenbereich nach den zuvor programmierten Algorithmen. Diese reagieren auf Marktveränderungen und treffen daraufhin Handelsentscheidungen. Daraufhin wird eine Order an die jeweilige Börse übermittelt. Achtzig Prozent des Aktienhandels in den Vereinigten Staaten funktionieren mittlerweile so. Aber immer mal wieder kam es dabei auch zu einem „Flash Crash“, einem blitzartigen Absturz der Aktienkurse, der oft unbemerkt blieb, weil er innerhalb einer Millisekunde geschah.

Harald Lesch in der SZ vom 30.1.2015: "Diese wichtige Rolle, die Algorithmen heute spielen, ist der Fluch der Mathematisierung der Welt. ... Wir haben uns Technologien verschrieben,...  mit einem derartig hohen Abstraktionsgrad, dass selbst Experten nicht mehr verstehen, was passiert. Und das Risiko trägt, wie immer, die Gesellschaft."

siehe dazu u.a. auch:  Internet der Dinge - Pervasive Computing - RFID-Transponder - Datenklau - Cyberattacke - BSI - Google Glass - Wearables - Fitnessbänder - Gesichtserkennung -

Juristin und Essayistin


© Heimo Aga

"Kritik kann ohnehin nur aus dem System selbst heraus kommen."


Yvonne Hofstetter
, Jahrgang 1966, ist Expertin für intelligente Datenanalyse. Sie wollte anfangs Sopranistin werden, studierte aber Jura, und begann wiederum nach dem Studium ihre berufliche Laufbahn in der Informationstechnologie. Sie arbeitete im Stab eines amerikanischen Unternehmens für das algorithmische Supply Chain Management, dann in der Finanztechnologie. Seit 2009 führt sie das kleine deutsche Unternehmen Teramark Technologies GmbH in Zolling-Gerlhausen. Ihr Arbeitsschwerpunkt seien dort Fusion und Analyse großer Datenmengen für Staat und Industrie auf der Basis wissenschaftlichen Programmierens und künstlicher Intelligenz. Als jemand, der selbst intelligente Algorithmen entwickelt, sei sie besorgt, dass die Wissenschaftler ihre Verantwortung nicht wahrnehmen. Sie plädiert für eine neue Gesetzgebung, eine Ethik der Algorithmen und eine gesellschaftliche Debatte darüber, was der Mensch in Zukunft sein will. Sie selbst meidet soziale Netzwerke wie Facebook, an ihrem Laptop klebt sie Mikrofon und Kamera zu und benutzt statt Google Ixquick, weil diese Suchmaschine den Suchverlauf nicht speichert. "Kann ich Ihnen allen empfehlen." Brigitte 4/2015) 

Yvonne Hofstetter in der FAZ - Profil - Publikationen - Angriff der Maschinen (Die Zeit ).- Interview in der taz

Überwacht, analysiert, gelenkt:
Wie viel Big Data erträgt die Freiheit?  (Konrad Adenauer Stiftung, 16.12.2014)

Verkannte Revolution: Big Data und die Macht des Marktes - Bundeszentrale für politische Bildung 6.3.15
 


Zitate von Yvonne Hofstetter
: "...
während ich das Buch geschrieben habe, hat mich Friedrich Dürrenmatts Stück Die Physiker begleitet. Diese Physiker stehen natürlich nicht morgens auf und sagen: Wir wollen die Welt beherrschen. Die wollen einfach nur ihre Arbeit machen, wollen, dass ihre Modelle funktionieren. Für sie ist wertneutral, was sie tun. Aber dann kommen findige Geschäftemacher, und da fängt das Problem an..." der Freitag 23.10.14  "Je mehr man über den Kunden weiß, desto besser kann man ihn evaluieren und damit den Profit steigern, den man durch ihn macht."(FAZ 7.5.2014) -  "Die ganz großen Datenbestände und Technologien für die Auswertung dieser Daten liegen derzeit in ganz wenigen Händen, die kein Datenschützer beaufsichtigen kann."(FAZ 7.5.2014)  - "Die wahre technologische Revolution sind weder die enormen Mengen an Daten, die erhoben und für immer gespeichert werden, noch immer rasanter rechnende Prozessoren oder neue Datenbankarchitekturen. Die wahre Revolution ist die künstliche Intelligenz des 21. Jahrhunderts, die Next Generation Artificial Intelligence, mit der wir uns ernsthaft auseinandersetzen müssen, weil sie unaufhaltsam auf uns zukommt."(br2-7.11.2014)  - "Nicht mehr Sie selbst werden Ihr Leben, Ihre Gegenwart und Zukunft, in der Hand haben, Sie werden vielmehr determiniert durch ihren virtuellen Doppelgänger, den intelligente Maschinen aus den über Sie gesammelten Daten, von denen Sie viele übrigens selbst freiwillig und gutgläubig geliefert haben, berechnen." (Sie wissen alles") - "wir sollten vorher und rechtzeitig darüber nachdenken, wie wir unser Mensch-Maschine-Verhältnis positiv gestalten können." Deutschlandradiokultur 5.9.13  "Derartige Systeme sind ein Angriff auf die Autonomie des Menschen. Sie funktionieren nur auf der Basis unterbrechungsfreier Totalüberwachung. ... Wir brauchen eine Treuhandstelle, eine Aufsicht für Algorithmen." (Die ZEIT, 10.9.14)
 
Handelsblatt : Kampfschiffe, die aus Versehen zivile Flugzeuge abschießen, und mysteriöse Börsencrashs zeigen, was passiert, wenn mächtige Computerprogramme falsch bedient oder mit fehlerhaften Daten gefüttert werden.- The Global Challenges Foundation: 12 Risks That Threaten Human Civilisation: ... 10. Artificial Intelligence ... - Spiegel-online 12.1.15. Wissenschaftler fordern Leitlinien für Künstliche Intelligenz: Künstliche Intelligenz kann gleichzeitig Fluch und Segen der Menschheit sein. So sehen das zumindest einige prominente Wissenschaftler und Unternehmer - und fordern nun die dringliche Erforschung der juristischen, politischen und ethischen Implikationen. - Offener Brief bei 'future of life institute'- Spiegel online 15.1.15. Künstliche Intelligenzen: Sie kommen, um zu herrschen.  Der Philosoph Nick Bostrom in seinem Buch "Superintelligenz": Die Machtübernahme der Maschinen steht kurz bevor.



"Die Debatten über künstliche Intelligenz nehmen neue Fahrt auf. Die Erwartung, dass die Computer schlauer als die Menschen werden, kann als erledigt gelten.

Viel gefährlicher sind geistlose Programme, die uns Entscheidungen abnehmen. " -  Andrian Kreye in Süddeutsche Zeitung S.11. vom 2. Januar 2015.


"Im Erfinden von Witzen sind sie lausig"