Donnerstag, 12. Februar
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15
 

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz  


Eckhard Henscheid


Foto © Martin Hufner

Dostojewskis Gelächter
Die Entdeckung eines Großhumoristen

Pressebericht


Eine literarische Entdeckungsreise zu einem unbekannten Dostojewski

In der FAZ nannte ihn Dietmar Dath einen „von der deutschen Romantik verfeinerten Dostojewski“. Nun hat Eckhard Henscheid endlich sein Buch über Dostojewski geschrieben. Darin entdeckt er den Großhumoristen Dostojewski, und das mit dem Ziel, diesen Klassiker wieder zu einem vielgelesenen Autor zu machen. Denn offensichtlich kennt ihn kaum noch jemand, machen sich nur wenige die Mühe, seine dickleibigen Romane, etwa „Die Dämonen“, „Die Brüder Karamasoff“ oder „Der Idiot“, wirklich zu lesen. Schuld daran sind seit dem späten 19. Jahrhundert auch Dostojewskis Interpreten und Exegeten (z.B. Stefan Zweig), gegen die selbst Thomas Manns kluges Diktum vom „ganz großen Humoristen“ nichts ausrichten konnte. Henscheid will seinem Publikum Nachhilfeunterricht in Sachen Dostojewski geben und dabei auch seinen eigenen, schon klassischen Roman „Die Vollidioten“ einbeziehen.

 Eckhard Henscheid, geboren in Amberg, war und ist Journalist, Redakteur, Schriftsteller, Lyriker und Satiriker. Er gehörte neben Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, F.W. Bernstein u.a. zur sog. Neuen Frankfurter Schule, zählte 1979 zu den Gründungsmitgliedern des Satiremagazins „Titanic“. Schon vor seinem Roman „Die Vollidioten“ (1973) galt er als Dostojewski-Kenner und -Verehrer. Sein Buch „Verdi ist der Mozart Wagners“ (1992) zeigt ihn zudem als versierten Opern-Liebhaber.
„Dostojewskis Gelächter“ erschien 2014.


Dostojewski: »Sehr dunkel, sehr schwer.« »Unerquicklich.« »Heute praktisch unleserliche Romane.« »Diese Russen, ha!« »Wird ja heute kaum mehr gelesen.« »Wurde, glaube ich, auch schon mal verfilmt.« »Ein schwerer Autor.« »Ach Gott, ein sehr schwäärer Autor

(aus Radiointerviews für eine thematische Sendung des Bayerischen Rundfunks, März 1974, zitiert bei Henscheid, S.11)

Und noch ein Zitat aus der obigen Umfrage des Bayerischen Rundfunks in großstädtischen Buchhandlungen, nämlich der frappante Befund einer Frankfurter Buchhändlerin: 
"Dostojewski, ach herrje, das erinnere sie an diesen bösartigen Kunstschlittschuhlauf-Olympiasieger, diesen – Oleg Potropopow oder so ähnlich; der da doch immer seine zarte Ehefrau und Partnerin Ludmilla Beludingsda so grausam behandelt habe, mein Gott!"
(Henscheid, S.21)

Dicke Bücher: 2014 kam ein Volumenroman heraus mit dem kalauernden Titel "Je dickens, destojewski!" . Der Autor Thomas Kapielski fand den Titel witzig.
 

Fjodor Michailowitsch Dostojewski * 11. November 1821 in Moskau; † 9. Februar 1881 in Sankt Petersburg

Piper-Verlag: Dostojewski gegen den Strich gebürstet: Der Humorist und Schriftsteller Eckhard Henscheid entdeckt ganz neue Seiten an seinem Lieblingsdichter. Damit verprellt er womöglich die Literaturwissenschaft, aber führt dem russischen Klassiker ganz sicher neue Leserschaften zu. Oder hätten Sie gewusst, dass man bei Dostojewski so viel lachen muss? -
Als Mystiker und Menschheitsproblematiker, Ersatzchristus, Russlanderneuerer, Verbrechensbekämpfer hat man Fjodor Michailowitsch Dostojewski jahrzehntelang gesehen und vereinnahmt. Doch wer war der große Russe wirklich? Nicht undenkbar, dass der Klassiker unter den Dichtern und Briefeschreibern im deutschsprachigen Raum bislang völlig falsch verstanden wurde. Weithin vergessen jedenfalls ist das besonnene und beinahe revolutionäre Wort Thomas Manns, in diesem Schwer-Romancier könne man einen "ganz großen Humoristen" erkennen – bei dem es vor allem eins gibt: viel zu lachen. Eckhard Henscheid macht sich daran, diesem Missstand abzuhelfen. - Leseprobe -

"Fort also mit der Mystifizierung der russischen Seele und her mit der Neuinterpretation durch den Amberger. ...Jetzt hat er sich den professoralen Kneifer auf die Nase des in Wind und Wetter gegerbten Oberpfälzer Indianergesichts geklemmt. Er ist in die Rolle des „Ernstlers“ geschlüpft. Sein neues Buch ist eine Art Antrittsvorlesung im meist recht unterbelichteten Literaturfach Humoristik." - ."Eine gleichermaßen geistreiche wie unterhaltsame Streitschrift, die nichts weniger als die Revision einer hochkulturellen Großtorheit im Sinn hat. .. Ein wirklich grandioses, erhellendes Lesevergnügen"
(Mittelbayerische Zeitung, 5.10. und 15.11.2014)

Literaturkritik.de: "Weltliteratenhumor - Obwohl Henscheids Buch aus vielen kleinen Einzelpassagen besteht, die manchmal unverbunden wirken, ist es eine großangelegte Berichtigung, amüsant, materialreich, mit vielen Beispielen und so zynisch und scharfhumorig verfasst, dass man sich fragt, wann man selbst diesem einseitigen Bild des überernsten Sinnsuchers Dostojewski auf den Leim gegangen ist."

„Meine Herrschaften, Sie dürfen alles für einen Scherz halten.“
Dostojewski, Aufzeichnungen aus dem Kellerloch



Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Porträt von Wassili Perow 1872 - Wikipedia


Schuld und Sühne Originalausgabe


Der Idiot


Die Dämonen

Der Jüngling

Die Brüder Karamasow

Eckhard Henscheid stützt seine Thesen insbesondere auf die
 5 großen (und dicken) "Elefanten":
Schuld und Sühne
(Swetlana Geier übersetzt: Verbrechen und Strafe 1866)
Der Idiot
  (1869) -
Die Dämonen
(1872)  -
Der Jüngling (1875)
Die Brüder Karamasoff
(1880)

" 'Alle Anwesenden lachten' heißt es bei Dostojewski in den Romanen gewiß 195mal." (Henscheid, S.33)

So stark beginnt Henscheid:
:
 "
In seinen Romanen leuchtet er in die tiefsten Abgründe menschl. Seins, stellt aber auch das Heilige in ird. Gestalt und als göttl. Gnade dar.«

So steht im dreibändigen Brockhaus von 2006 über Fjodor Michailowitsch Dostojewski zu lesen, und daran ist aber auch wirklich jedes Wort falsch, " (Henscheid, S.11)

Und so geht es z.B. weiter:

 "...
der Heilige, der Tragiker, der Dämon bzw. Dämoniker, der Verbrecher oder zumindest Spielschuldner, der Visionär, der Schreckliche, der Geschlagene, der Prophet, der Gottsucher und zumindest Christusfinder, der Welt- oder zumindest Rußlanderneuerer – die Etikettierungen reichen, .... nicht selten ins verträumt Debile." (Henscheid, S.16)

Oder auch so:
 "
der berühmten Dostojewski-Aufsatz von Stefan Zweig .., den dieser Wiener Schluri (anderes ist kaum vorstellbar) nach einem endlos nächtigen Wirtshausbummel niedergeschmiert haben muß, um (da möchten wir wetten) am späten Vormittag bei einer gleichgesinnten Presse etwas Vorschuß zum weiteren Überleben herauszuschustern: blankes Geschwätz. Der reine Schleim, der gewissenlose Seich, kein einziges Wort wahr." (Henscheid, S.17)

Das Thema des Buches also:

"
Wer auch nur halbwegs unbelastet von der offenbar seit Urzeiten vorgelieferten Dostojewski-Imago diesen Autor liest, der wird sich, wenn er nicht geradezu böswillig ist, schwertun, an seinen Büchern nicht doch zuerst einmal, einige Leseanstrengung beiseite, den größten Spaß zu haben. Wer aber lacht, muß sich – im Jahr 2014 wie schon 1914 und darunter hinaus – im klaren sein: Er betritt Neuland,´..."
(Henscheid, S.18)



Sekundärliteratur bei dostojewksi.eu (K. Trost)

Perlentaucher - Frankfurter Allgemeine: Das Buch ist, wie jeder seiner nichtfiktionalen Texte, typisch Henscheid: originell im Stil, rechthaberisch im Gestus - der Schriftsteller, der es ihm wirklich recht machen kann, wird nach wie vor gesucht - und voller überraschender Meinungen.  ..". Der Radau (z.B. im Fest aus den "Dämonen")  " ist es, über den Henscheid so lachen muss, das absolute, völlig unberechenbare Durcheinander der Stimmen, von denen nie ganz klar wird, ob sie nun eigentlich etwas Geistreiches oder nicht doch bloß ausgemachte Dummheiten und Schamlosigkeiten sagen."
Mainpost: Loblied auf einen Schimpfer - Interview: Henscheid: "Das Irreguläre, Chaotische, außer Rand und Band Geratene der Erzählprosa wie der einzelnen Figuren gehören dazu. Vielleicht trifft es Thomas Mann in seinem Aufsatz von 1946 am besten, wenn er den „Mutwillen“ zentriert, der das Romanwerk dieses „ganz großen Humoristen“ durchströmt und durchsickert – jedenfalls dessen beste Teile. Ich selber werfe mich im Buch dazu auf, eine starke Verwandtschaft mit Karl Valentin zu beobachten,"

“Das Lachen verlangt Arglosigkeit, die meisten Menschen lachen aber am häufigsten boshaft.” (Dostojewski, »Der Jüngling - auch: Ein grüner Junge«, 1876)



Die Neue Frankfurter Schule:
25 Jahre Scherz, Satire und Schiefere Bedeutung aus Frankfurt am Main


Eckhard Henscheid

Wikipedia: Charakteristisch für Henscheids Werk ist – weit über seinen Kampf gegen das „Dummdeutsche“ in jeder Form hinaus – die Vielzahl der von ihm gepflegten Gattungen und Genres. Seine Arbeiten umfassen Erzählungen, Romane, Idyllen, Märchen, Satiren, Essays, Lyrik, Nonsens-Dichtung, Polemiken und Glossen, Literatur-, Kunst- und Musikkritik. Dabei verknüpft er eigenständige sprachliche Virtuosität mit Motiven aus der Romantik und dem gesellschaftskritischen Impetus der Frankfurter Schule. - Autorenlexikon Literaturportal Bayern - Facebook -
SZ 2004:
Das deutsche Feuilleton nach 1980 hat an ihm und mit ihm das Schreiben gelernt
SZ 2011: Schwurbeln für Fortgeschrittene - Mainpost: Ein Großhumorist gesteht - Interview 2011

Als stilbildender Humorist wird er verehrt, als Universalkritiker gefürchtet, als einer der eigenwilligsten deutschen Schriftsteller gerühmt: Eckhard Henscheid, schuf ein verblüffend vielfältiges Werk, das zum Großen der Nachkriegsliteratur gerechnet werden darf. Mit Leidenschaft liebt Henscheid die klassische Literatur, Musik, die Oper und die Provinz, und er schreibt anrührend darüber; doch ebenso leidenschaftlich geißelt er alles, was ihm aufgebläht und eitel erscheint. Henscheid kannte alle und stritt mit vielen, gern und glühend. (Klappentext "Denkwürdigkeiten")

"Einzig von dem Satiriker Eckhard Henscheid weiß man seit Jahren, daß er keine Auszeichnungen annimmt, nie, auf keinen Fall, prinzipiell nicht, sondern alle Literaturpreise stets mit, wie er sagen würde, pfeilgrader Konsequenz ablehnt." (FAZ) - 2004 erhielt er den Italo-Svevo-Preis und 2009 den Jean-Paul-Preis ..
. Henscheid: "ein wundervoller Abend" ... und 201

 
Eckhard Henscheid, Verfasser von Romanen, Satiren, Opernführern, Kulturgeschichten,
der "Trilogie des laufenden Schwachsinns"
und des Infantilromans »Auweia« (
Auswahl)

Der Mann, den Reich-Ranicki "Idiot" nannte - Der Virtuose von Krawall und Idylle zählt zu Bayerns großen Sprachjongleuren (BR Kultur 2011)


Eine echte Satirikertränke, ein zweites Wohnzimmer für Frankfurts Komödianten: Das im Juli 2014 im Frankfurter Nordosten, im Stadtteil Bornheim, eröffnete Lokal „Henscheid“ ist benannt nach dem Urvater des Frankfurter Trinker-Romans „Die Vollidioten“. Das sei einem Literaten in Deutschland bei lebendigem Leib noch nie widerfahren. So gab Henscheid seinen Empfindungen in wohlgesetzten Worten Ausdruck: „Sie gehen nicht fehl in der Annahme, dass eine gewisse Rührung mich überläuft.“ Er werde gelegentlich Kontrollbesuche machen, er bekomme jedoch lediglich ein Freibier. (Quellen: Frankfurter Allgemeine, Mittelbayrische)

"Jeder ist an allem schuld. Aber wenn jeder das wüsste, hätten wir das Paradies auf Erden". Fjodor M. Dostojewski