Dienstag, 2. März 2010

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz 


Dr. Hans-Jochen Vogel


Foto: Literarische

Warum wir ohne Werte
nicht leben können

Münchner Merkur
Süddeutsche Zeitung

 


Kaum jemand ist so dafür prädestiniert, über den Sinn und die Notwendigkeit von Werten für das Zusammenleben der Menschen zu sprechen wie
Hans-Jochen Vogel. Er hat sich als Politiker für unser Land engagiert, sein Rat als „Elder Statesman“ ist weithin gesucht.

Welche Werte hält er für besonders wichtig? Es sind: Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Friede. Auf ihnen gründet auch das Grundgesetz, sie sind die Basis für individuelles und gemeinschaftliches, auch politisches Handeln. Warum diese Werte in der Gesellschaft gefährdet sind und wie wir gegensteuern können, davon handelt Vogels Vortrag.

Hans-Jochen Vogel, Jahrgang 1926, ist einer  der wichtigsten und einflussreichsten deutschen Politiker.  Der promovierte Jurist war von 1960 bis 1972 Oberbürgermeister von München, danach in Bonn Bundesminister für Bauwesen und für Justiz, Regierender Bürgermeister von Berlin und SPD-Vorsitzender. Er engagiert sich weiterhin ehrenamtlich und lebt in einem Seniorenstift in München.



Dieses Buch ist derzeit nur antiquarisch erhältlich

"Der Shareholder-Value ist der Wert, der alle wirklichen Werte verdrängt." -
-   "Empörende Abfindungen, exorbitant gestiegene Vorstandsbezüge und maßloses Gewinnstreben" -
Das Werte-Dilemma in Zeiten der ungezügelten Marktkräfte fasste Vogel mit den Worten von Literaturnobelpreisträger John Steinbeck zusammen: "Die Dinge, die wir an den Menschen bewundern - Freundlichkeit, Offenheit, Aufrichtigkeit, Verständnis und Mitgefühl -, sind in unserem System die Begleiterscheinungen des Versagens. Jene Charakterzüge, die wir verabscheuen, so Härte, Habgier, Gewinnsucht, Niedertracht, Egoismus und Eigennutz, sind die Merkmale des Erfolgs", so Vogel. Und während Menschen die Qualität von ersterem bewunderten, liebten sie doch das Produkt von letzterem.
(Zitat aus der SZ vom 18.1.2010 über einen Vortrag vor dem Münchner Marketing-Club)
 


Kurzbeschreibung zu "Politik und Anstand": "So etwas tut man nicht": Das Gefühl dafür ist in Wirtschaft und Politik verloren gegangen. Und auf der Suche nach Maßstäben findet man vor allem Belege für deren Verlust. Uns droht das Fundament zu entgleiten. Gerade in einer Zeit rasanten Wandels ist Klarheit über erstrebenswerte Ziele und gemeinsame Werte entscheidend. Hans-Jochen Vogel hat Politik über Jahrzehnte bewusst erlebt und mitgestaltet. In diesem Buch ist er aber nicht nur Zeitzeuge. Er zieht Bilanz - und formuliert Perspektiven über den Tag hinaus. Was ist der archimedische Punkt seines eigenen Lebens? Und was sind ethische Perspektiven für eine Gesellschaft in unsicheren Zeiten? Im Gespräch mit Heribert Prantl plädiert er in einer Zeit neuer Beliebigkeit zuallererst für die Tu­gen­den der Redlichkeit und Zuverlässigkeit und für eine neue soziale Kultur - gerade heute.
Buchbesprechung bei Amazon: Hans Jochen Vogel gehört zu der Gruppe von Politikern, denen auch seine politischen Gegner den Respekt niemals verwehrt haben. Dies dürfte seinen Grund vor allem darin haben, dass man ihm sein vehementes Eintreten für Werte niemals als Taktik ausgelegt hat. Bei Vogel meint man zu spüren, dass es ihm bei dem, was er sagt und tut, ernsthaft um die Sache geht. Dass Joachim Vogel aber kein weltfremder Moralist ist, sondern doch auch sehr genau weiß, wie man sich etwa Gefolgschaft sichert, hat der SPD-Mann, der im Laufe seiner langen Karriere unter anderem sowohl Oberbürgermeister von München als auch Regierender Bürgermeister von Berlin gewesen ist, zur Genüge bewiesen. Dass ihn sein politisches Leben nicht hat zynisch werden lassen, sondern er nach wie vor strenge moralische Maßstäbe an das Politische anlegt, beweist dieses Buch, das ein Gespräch dokumentiert, das Heribert Prantl mit ihm geführt hat. In acht Etappen rekapituliert der Band wichtige Stationen im Leben des ehemaligen SPD-Vorsitzenden, an denen er zu verdeutlichen sucht, was er unter Verantwortung und unter Anstand versteht und wieso bestimmte Werte in der Politik wie in der Gesellschaft unaufgebbar gelten müssen. Große Fragen des Politischen, wie die nach Freiheit oder Gerechtigkeit, werden hier auf konkrete Entscheidungssituationen heruntergebrochen. Doch in dem Gespräch zieht Vogel nicht nur ein persönliches Fazit seines Engagements, er versucht auch zu zeigen, dass es in der Politik trotz aller Sachzwänge nach wie vor darum geht, nachvollziehbar begründete Entscheidungen zu treffen, für die man auch persönlich einzugestehen bereit sein muss. -- Hasso Greb
 

1960
Quelle: dpa

1969
Quelle: dpa

Klarsicht
Montage: literarische.de

1974
Quelle: AP

1977   
Gemälde: Günter Rittner 
Quelle: Wikipedia   

1980
Quelle: SPD

1987
Quelle: AP

1988
Quelle: Wikipedia; Montage

1995
Quelle: dpa


Hans-Jochen Vogel, geboren 1926 in Göttingen, Gymnasium in Gießen und Marburg. Nach dem Abitur 1943 in Gießen nahm er bis 1945 als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Ab 1946 Studium der Rechtswissenschaft in München und Marburg, Abschluss 1948 mit dem ersten und 1951 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen (beide mit der Note „Sehr gut“). 1950 magna cum laude Promotion zum Dr. jur.  1952 trat er als Assessor in das Bayerische Justizministerium ein, später wurde er zum Regierungsrat ernannt. 1954 erfolgte seine Ernennung zum Amtsgerichtsrat in Traunstein, 1955 wechselte er in die Bayerische Staatskanzlei, dann war er Rechtsreferent im Münchner Stadtrat.

Er war von 1960 bis 1972 Oberbürgermeister von München In seiner Amtszeit erhielt München unter anderem den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1972. Von 1972 bis 1974 war Vogel Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, 1974 bis 1981 Bundesminister der Justiz und schließlich im Jahr 1981 Regierender Bürgermeister von Berlin. 1974 und 1978 war "der loyale Wertkonservative mit der liberal- sozialen Grundhaltung" (Der Spiegel) Spitzenkandidat der SPD bei der Landtagswahl in Bayern, 1981 Spitzenkandidat bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, 1983 Kanzlerkandidat der SPD.

Seit 1950 bereits Mitglied der SPD, wurde Vogel 1970 erstmals in den SPD- Bundesvorstand und nach dem Rücktritt von Willy Brandt als Parteivorsitzender 1987 auch zu dessen Nachfolger gewählt. 1991 kandidierte er aus Altersgründen nicht erneut und gab sein Amt an Björn Engholm ab.  1972 wurde Vogel erstmals über die Landesliste Bayern in den Bundestag gewählt, aus dem er zunächst im Januar 1981 ausschied um Regierender Bürgermeister von Berlin zu werden. Nachdem er dieses Amt im Juni 1981 an Richard von Weizsäcker (CDU) abgeben musste, war Vogel von 1981 bis 1983 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und hier auch Vorsitzender der SPD-Fraktion. Mit der vorgezogenen Bundestagswahl 1983 zog Vogel erneut, diesmal als Berliner Abgeordneter, in den Bundestag ein und führte hier als Nachfolger von Herbert Wehner bis 1991 die SPD-Bundestagsfraktion. Vogel war in dieser Zeit auch Oppositionsführer. Er war noch bis 1994 Mitglied des Bundestages.

Seit dem Ausstieg aus der aktiven Politik widmet sich Vogel u.a. als Gründungsmitglied und Vorsitzender (1993-2000) dem Projekt
„Gegen Vergessen – Für Demokratie“, das die Erinnerung an Nazi- und SED- Diktatur wachhält und gegen Extremismus kämpft. Im September 2000 wurde er von dem damaligen Minister des Innern Otto Schily zum Stellvertretenden Vorsitzenden einer Unabhängigen Kommission „Zuwanderung“ berufen, . Vorsitzende der Kommission war Rita Süssmuth. Auftrag der Kommission war, ein Gesamtkonzept für ein neues Ausländerrecht zu erarbeiten. Hans-Jochen Vogel war Kuratoriumsmitglied im Förderverein der Ausstellung Vernichtungskrieg, die als Wehrmachtsausstellung bekannt geworden ist. Von 2001 bis 2005 war er Mitglied im Nationalen Ethikrat. Zudem ist er nichtberufsrichterliches Mitglied des bayerischen Verfassungsgerichtshofs. Seit 2002 ist er Mitglied im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung München.

Hans-Jochen Vogel  ist Träger vieler bedeutender Auszeichnungen und Ehrenbürger der Stadt München.
     
12.09 Hessenschau Wilhelm Leuschner-Medaille des Landes Hessen


SZ: Alt-OB Hans-Jochen Vogel über München ''Die Stadt vermittelt das Gefühl von Heimat'' - Kein Handy, kein Internet - Interview im BR (1.7.2007 - 61 min) - Frankfurter Rundschau 08.01.2010 Liselotte & Hans-Jochen Vogel im Interview - Ehepaar Vogel kocht Kaiserschmarrn - MM 31.01.10 Mit sich selbst im Reinen statt reich sein - Germering - Was ist uns wichtig? Mit dieser Frage hat sich die Gemeinde der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche beschäftigt. Zu Gast war Hans-Jochen Vogel. -



Ausriss aus: Der Spiegel 10/2001

Die "Elder Statesmen"
unserer Republik



 

Quelle: ddp                                                            Quelle: br                                                                       Quelle: SPD 

Ansprache des Bundesministers a. D. Dr. Hans-Jochen Vogel in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages am 10. April 2008 in Berlin: "Die Zerstörung der Demokratie in Deutschland vor 75 Jahren"


Der Spiegel: Der Parteiprimus - "Immer pünktlich, fleißig, ein Vorbild - für viele war Hans-Jochen Vogel der ideale Parteimanager. Er war gewissermaßen der Parteiprimus: Immer pünktlich, stets präsent, fleißiger und informierter als alle anderen. ... Administration und Disziplin waren die Charakteristika der Führungstechnik Vogels, die Klarsichthülle wurde ihr symbolisches Kennzeichen. ... Vogel wusste in der Tat das meiste besser, hatte die Akten wirklich gründlicher gelesen als jeder andere, kannte sich unzweifelhaft auch in Nebensächlichkeiten exakt aus. ... Und als er 1991 von ganz oben abtrat, als er die lärmenden "Enkel" allein ließ, geriet die SPD für Jahre in übelste Turbulenzen und Depressionen."

Gratulation zum 80. Geburtstag 2006:
"Hans-Jochen Vogel: Das gute Gewissen der SPD ... ein Solitär: Seine Persönlichkeit und seine Arbeit bilden ein überzeugendes Ganzes, geprägt von Charakterstärke und Pflichterfüllung. Dennoch: Neben der durchaus strengen, preußischen Pflichterfüllung hat im Lauf der Jahre der bayerische und Münchner Wesenszug in Hans-Jochen Vogel an Gewicht gewonnen. Und der ist vorwiegend heiter und gelassen. ... Hans-Jochen Vogel ist - so scheint es - frei von beruflicher und privater Eitelkeit, er verkörpert durch seine eigene Lebensführung "altmodische" Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit .... "
 

Aus Martin Morlock - VOGELKUNDE - DER SPIEGEL 37/1965: "... das Dafürhalten, Hans-Jochen sei "lieber in München der Erste als in Bonn einer unter vielen". "Ich habe", bestätigt das Stadtoberhaupt, "eine Vorliebe für überschaubare Verhältnisse." .... der SPD -Vogel entsinnt sich eines Vorgangs, der beim CDU-Nestgefährten eine "altersmäßig bedingte Opposition" wachgerufen haben könnte: Im Krieg, als Klein-Bernhard nicht rechtzeitig eingeschult werden konnte, mußte ihn Hans-Jochen ein Vierteljahr lang im Lesen und Schreiben unterrichten, ein Unterfangen, das sich auf die zwischenbrüderlichen Beziehungen "verheerend" ausgewirkt habe."


aus: ARD-Mediathek