Oskar Kokoschka und die Puppe Mona Alma    

 Lesung am 23.11.04:  Oliver Hilmes Das Leben der Alma Mahler-Werfel - Witwe im Wahn

  

Epilog einer Passion. -1918 verfällt Oskar Kokoschka (1886-1980) auf die skurrile Idee, eine lebensgroße Puppe als Ersatz für die »verlorene« Geliebte und Frau Alma Mahler zu bestellen. Die Lieferung der fertigen Puppe bedeutete jedoch die größte Desillusionierung seines Lebens, das Desaster der verirrten Wünsche war vollkommen. In eindringlichen Bildern entledigt sich der Künstler seinen halluzinatorischen Zwängen, malt sich frei - die Dämonen sind gebannt, die verlorene Liebe überwunden.



Anders als bei dem Gemälde "Die Windsbraut" beginnt Kokoschka 1919 in Dresden flächiger zu malen. Man kann dieses Werk durchaus als Übergang von seinem Frühwerk in die Dresdener Jahre bezeichnen. "Frau in Blau" ist eines der ersten Bilder aus der Serie der ironischen Auseinandersetzung mit Alma Mahler und der Fetischpuppe. Man könnte diese Zeit als eine Art der Therapie sehen, in der sich Kokoschka durch die Fetischpuppe mit der gescheiterten Beziehung auseinandersetzt.

Das Interessante an diesem Bild ist, dass es nach der Fetischpuppe gemalt wurde. Ein Freund von ihm erinnert sich, dass er Kokoschka bei den Arbeiten zu diesem Bild einmal besuchte und bei dieser Gelegenheit die lebensgroße Puppe in einen blauen Mantel gehüllt auf dem Sofa lag. Da das Bildnis Alma Mahlers eher grob, spontan und ... ungenauer scheint, ist es um so verwunderlicher, dass Kokoschka zu diesem Bild mehr als 100 Entwürfe fertigte. Obwohl er auch hier dunkle Farben verwendet, sind sie von intensiverem Charakter als bei der "Windsbraut". Diese leuchtenden und flächig aufgetragenen Farben geben dem Bild auch die nötige Räumlichkeit - Quelle

Diese lebensgroße Aktskizze von Alma Mahler wurde von Kokoschka als Vorlage für die Puppe für Hermine Moos angefertigt. Die wichtigsten körperlichen Merkmale von Alma wurden besonders hervorgehoben und die Fettablagerungen durch weiße Flecken naturgetreu abgebildet. Aber durch den Verwendungszweck bleibt dem bis vor kurzem verschollenen Werk ein Sonderplatz in Kokoschkas gesamten Schaffen eingeräumt. Denn das Bild war ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern ausschließlich für Hermine Moos. In dem Begleitbrief schrieb er folgende Gebrauchsanweisung für die Puppenmacherin:

"Sehr neugierig bin ich auf die Wattierung, auf meiner Zeichnung habe ich die mir wichtigen Flächen, entstehenden Gruben, Falten etwas schematisch angedeutet, durch die Haut - auf deren Erfindung und stofflichen, dem Charakter der Körperpartien entsprechenden, verschiedenen Ausdruck ich wirklich höchst gespannt bin - wird alles reicher, zärtlicher, menschlicher werden?"

Obwohl im unverkennbaren Stil Kokoschkas geschaffen, ist es eine Gedächtnisskizze von Alma, die eine Wunschvorstellung von ihr ist. Und zwar wird sie hier, als "geläuterte Sünderin in vollem Fleisch" mit den Händen zum Gebet erhoben, gezeigt. Sünderin deswegen, weil sie in den Augen Kokoschkas eine nicht wieder gutzumachende Tat begangen hat. Sie ließ ihr gemeinsames Kind abtreiben, ohne vorher Kokoschka um Erlaubnis gefragt zu haben, die er ihr niemals gegeben hätte. -  Quelle

Kokoschka an Alma zum 70. Geburtstag 1949 The silent woman   -   
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